Warum Dortmunds neuer Coach endlich für Ruhe sorgen könnte

Wer ist hier der Bosz?

Dortmunds neuer Trainer soll beim BVB den Fußball endlich wieder in den Mittelpunkt rücken. Eine Aufgabe, die Peter Bosz liegen müsste. Schließlich ist der Mann ein Freak. 

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Manche Geschichten ergeben Sinn. So wie diese. Das Lieblingsbuch vom Fußballtrainer Peter Bosz ist ein Buch über den Fußballtrainer Pep Guardiola. In dem Buch geht es um Taktik im Allgemeinen, und um die kleinen, (vielleicht?) entscheidenen Details des Spiels, um akribische Gegneranalyse oder die optimale Zeitspanne für das Gegenpressing im Besonderen. Es ist ein Buch über einen Freak, geschrieben für Freaks. Wenn man diese Geschichte also herunterbrechen mag auf einen Satz, den man sich am Ende gut merken kann, dann ginge der wohl so: Peter Bosz ist ein Freak.

Allerdings ist Peter Bosz ein Freak, den hier in Deutschland bis vor knapp zwei Wochen nur andere Freaks auf dem Schirm hatten. Und auf den sich jetzt der Rest des Landes stürzt, weil er heute bei Borussia Dortmund als neuer Trainer vorgestellt wird. Fast alles, was wir in Deutschland über den 53-Jährigen wissen, entspringt einem Artikel, der vor ein paar Wochen im englischen »Guardian« erschien. Der Journalist Jacob Steinberg war zu Gast am Trainingsgelände von Ajax Amsterdam und unterhielt sich dort mit verschiedenen Männern, die für den sensationellen Ritt des Vereins durch Europa verantwortlich waren. Mit Edwin van der Saar, dem Manager. Mit Joel Veltman, dem Verteidiger. Und eben auch mit Peter Bosz, dem Trainer. 



Lieber 4:3 als 1:0 gewinnen

Wir erfahren, dass Bosz schon mit 16 wusste, dass er Trainer werden würde. Dass er – schon damals (im positivsten Sinne) ganz der Freak – zusammen mit Freunden alle Artikel über Johan Cruyff archivierte, die er finden konnte. Und dass ihn die Begeisterung für die Ideen hinter dem Spiel als Spieler von Feyenoord gar zum Training vom Rivalen Ajax trieb. Er musste sich einfach anschauen, wie Louis van Gaal mit der aufregendsten Truppe der Neunziger arbeitete.

Wir erfahren auch, dass Peter Bosz die Offensive liebt. Weil er als Spieler selber ein »Zerstörer« war, wie er sagt. Und deshalb, auch zu seiner eigenen Unterhaltung, jetzt nach vorne spielen lässt. Lieber 4:3 als 1:0, hoch stehende Viererkette, Mut zum Gegenpressing in der gegnerischen Hälfte. Klingt alles ein bisschen nach Roger Schmidt, nach Risiko, nach Spaßfußball. Im schlechtesten Fall auch nach Ärger. Also dem Gegenteil von Ruhe, die sein neuer Verein, Borussia Dortmund, so bitter nötig hat.

Bisher wurde Bosz nie entlassen. Er arbeitete als Trainer für kleinere (Apeldoorn, De Graafschap, Almelo, Arnheim) und größere Klubs (Maccabi Tel Aviv, Ajax), als Technischer Direktor von Feyenoord lernte er darüber hinaus andere Seiten des Geschäfts kennen. In seiner Zeit als Spieler tauchte er mal in Japan auf (JEF United!), oft in Holland (in erster Linie bei Feyenoord und immerhin achtmal als Nationalspieler), aber auch, Ende der Neunziger, für ein halbes Jahr bei Hansa Rostock.