Warum in Dortmund eine Ära endet

Zurück zum Abenteuer

Gestern in Salzburg schloss sich für Borussia Dortmund der Kreis. Eine Ära fand ihren Abschluss. Der Klub muss endlich wieder zu sich finden.

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Gestern in Salzburg mag das ein ferner Gedanke gewesen sein, aber neun Jahre lang ist Borussia Dortmund der aufregendste Klub in Deutschland gewesen. Die Mannschaften von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel waren nicht nur der einzige echte Herausforderer des wirtschaftlich enteilenden FC Bayern, vor allem aber riss ihr Fußball auch neutrale Zuschauer mit. Bei Klopp war er laut und emotional, unter Tuchel dann zerebraler. Aber so unterschiedlich die Herangehensweisen der beiden Trainer sein mochten, trugen sie beide zu einem Dauerwunder bei.

Eine Umkehrung der Geschichte

Der BVB erstand aus der Asche seiner Beinahe-Pleite und schraubte sich in die höchsten Höhen, blieb aber zugleich Underdog des europäischen Spitzenfußballs. Er besiegte regelmäßig Mannschaften, die über viel mehr Geld verfügten, wie an jenem unvergessenen Abend im Frühjahr, als Borussia Dortmund die Galaktischen von Real Madrid mit vier Toren von Robert Lewandowski vom Platz fegte. Oder als der BVB das Pokalfinale im Jahr zuvor mit 5:2 gegen die Bayern gewann.

Insofern war das räudige Ausscheiden in Salzburg nicht nur das, sondern eine Umkehrung der vorangegangenen Geschichte. Stögers Mannschaft flog gegen einen Underdog aus der Europa League, der trotz aller Red-Bull-Millionen nur über einen Bruchteil der Ressourcen des BVB verfügt. Sie scheiterten dabei an einem österreichischen Team, dessen Leidenschaft an eine Borussia erinnerte, die es im Frühjahr 2018 nicht mehr gibt. Das Aus war der schlüssige Abtritt von der internationalen Bühne, wo die Dortmunder weitgehend erbarmungswürdig agierten, in die Europa League geplumpst durch zwei Unentschieden gegen eine Mannschaft aus Zypern, für das Achtelfinale unverdient qualifiziert gegen Atalanta Bergamo.

Die Bundesliga braucht Borussia Dortmund

Man kann dieses Elend nun bei Trainer Peter Stöger abladen, der sicherlich mehr Sachwalter als Visionär des Fußballs ist. Oder bei den Spielern, die sich, wie in den letzten Monaten schon häufiger passiert, brav selbst bezichtigten. Doch das sind eher Ausdrucksformen als der Kern eines größeren Problems: Borussia Dortmund ist von seinem Weg abgekommen. Irgendwo zwischen dem Ausverkauf der Stars, dem Rosenkrieg mit Thomas Tuchel oder dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus ist dem Verein sein innerer Kompass verloren gegangen.

Anders gesagt: Der BVB dieser Tage ist auf der Suche nach sich selbst. Oder, hoffentlich ist er das! Denn es geht nicht nur darum, den richtigen Trainer zu finden und den Kader gründlich zu überholen. Es gilt vor allem, sich wieder klar zu positionieren. Wo sortiert sich Borussia ein, und was ist realistisch möglich? Welche Rolle will der Klub spielen und wozu ist er in der Lage? Neun Jahre lang stand Borussia Dortmund für eine besondere Mischung aus Klasse, Emotion und fußballerischer Abenteuer. Nicht davon ist im Moment zu sehen, aber all das wird nicht nur von den Fans des Klubs vermisst. Auch die Bundesliga braucht dringend eine Borussia aus Dortmund, die wieder Borussia Dortmund ist.