Warum Dimitrij Nazarov so wichtig für Aserbaidschan ist

Plötzlich... Nationalspieler!

Mit Aserbaidschan hatte Dimitrij Nazarov nichts zu tun. Bis er 2012 zur Nationalmannschaft eingeladen wurde. Seitdem schießt er dort Tore.

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Vielleicht will Dimitrij Nazarov nach dem Länderspiel gegen Deutschland in Baku mal in seinen Geburtsort Tajynscha fahren. Dass er es dorthin schafft, ist jedoch unwahrscheinlich: Er würde zwei Tage mit dem Auto benötigen. Dass Nazarov trotzdem für Aserbaidschan stürmt, hat er einem Bürokratietrick zu verdanken. Und Berti Vogts.

»Hallo, mein Name ist Dimitrij Nazarov, bin 22 Jahre alt und komme von Eintracht Frankfurt II«, stellte sich der 1,85-Meter-Schlaks im Sommer 2012 im perfekten Deutsch bei Preußen Münster vor. Keine Überraschung, hatte er doch seine Kindheit in Pfeddersheim bei Worms verbracht. Nach zahlreichen Spielen in den Jugendmannschaften vom 1. FC Kaiserslautern schien der Weg bis zum Nationalspieler dann aber etwas zu weit.

Fußball-Entwicklungsland

Als ihn Kaiserslautern II entließ, war Nazarov sogar für einige Monate arbeitslos, ehe er bei Frankfurt II unterkam. Kaiserslautern II, Frankfurt II, Preußen Münster. Semiprofessioneller Fußball eben. Bis ihn Berti Vogts entdeckte.

Seit vier Jahren war »Bundes-Berti« zu diesem Zeitpunkt bereits Trainer der Nationalmannschaft Aserbaidschans. Fußball-Entwicklungsland. Bei der WM-Qualifikation 2010 wurde der zweitletzte Platz vor Liechtenstein belegt. Also schaute sich Vogts um, entdeckte den Stürmer Dimitrij Nazarov und machte sich einen kleinen Trick zunutze.

»Da unten gehört ja alles zusammen«

Bei Nazarov, der 1990 im heutigen Kasachstan geboren war, das zu diesem Zeitpunkt jedoch noch zur bröckelnden Sowjetunion gehörte, klingelte kurz darauf das Telefon. Laut den geltenden FIFA-Statuten wäre er für jede Nation des ehemaligen Ostblockstaates spielberechtigt. Oder wie es der Spieler selbst erklärte: »Früher gehörte in der Sowjetunion da unten ja alles zusammen. Meine Wurzeln liegen jedenfalls dort, die formellen Dinge sind kein Problem.«

Pavel Dotchev, ehemaliger bulgarischer Nationalspieler, hatte den jungen Nazarov für Preußen Münster verpflichtet. Später, als Trainer von Erzgebirge Aue, holt er ihn erneut zu sich. In Aue spielt Nazarov seit der vergangenen Saison. Zurzeit brilliert der Stürmer mit dem Meckischnitt im Abstiegskampf, schoss vier Tore in den vergangenen fünf Spielen.