Warum Dimitri Payet nach eigenen Regeln spielt

Rebell ohne Grund

Dimitri Payet steht mit Olympique Marseille im Finale der Europa League. Gegen Atletico Madrid könnte der Franzose zum spielentscheidenden Mann werden. Wenn er denn will.

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»Ich weiß, dass ich ein richtiger Stinkstiefel sein kann«, gibt Dimitri Payet unumwunden zu. Wenn dem exzentrischen Franzosen etwas gegen den Strich geht, reagiert der inzwischen 31-Jährige wie ein motziges Kind. Schmollt so lange, bis er seinen Willen kriegt. Dass ihm im Januar 2011 trotz Trainingsboykott ein Wechsel von St. Etienne nach Paris verwehrt wurde, sollte sich allerdings als Glücksfall erweisen.

Denn über Lille führte Payets Weg anschließend nach Marseille, wo er auf Kultcoach Marcelo Bielsa traf. Unter »El Loco«, wie der exzentrische Argentinier auch genannt wird, reifte der einstige Außenbahnspieler zu einem Zehner von internationalem Format. »Erst durch den Wechsel auf die Spielmacherposition verstand ich wirklich, was Konstanz bedeutet. Unter Bielsa wurde ich zu einem neuen Spieler«, so Payet über den Einfluss seines fußballerischen Ziehvaters.

Ein Hauch von Weltklasse

Weil den Verein Geldsorgen plagten, musste OMs Starspieler im Sommer 2015 notgedrungen verkauft werden. Mit West Ham United fand sich ein Abnehmer, der bestenfalls englisches Mittelmaß verkörperte. Payet brachte einen Hauch von Weltklasse in den Upton Park.

Nach nur einer Halbserie in London unterschrieb Payet ein neues Arbeitspapier bis 2021. »Ich will gemeinsam mit West Ham wachsen«, versprach der einstige Problemspieler, der inzwischen mit dem Alter gereift schien. Der Mann aus dem französischen Übersee-Département La Réunion krönte seine Saison mit einer EM-Nominierung. Beim Turnier in Frankreich lief er vielen seiner prominenteren Mitstreiter den Rang ab.

Einmal Krawallbruder, immer ..

Auf einmal war Payet gar nicht mehr nach wachsen mit West Ham zumute. Das teilte er seinem Arbeitgeber auch mit. Doch kein Klub zeigte sich bereit, West Hams astronomische Ablöseforderungen zu erfüllen. 50 Millionen Euro oder mehr für einen 29-Jährigen? Schnell verflog das kolportierte Interesse aus Madrid und Barcelona wieder.

Der Franzose musste also bleiben, wenigstens bis zum Januar 2017. Dann zeigte Payet, dass in ihm immer noch der Krawallbruder vergangener Tage steckte. London gefalle seiner Familie nicht, ließ er öffentlich verlautbaren. Er würde gerne nach Marseille zurückkehren. In Südfrankreich war mit David McCourt inzwischen ein finanzstarker Investor eingestiegen.