Warum die Wahl zu Schwedens Fußballer des Jahres für Diskussionen sorgt

Zlatans Erbe

Erstmals seit zehn Jahren hat Schweden einen neuen Fußballer des Jahres: der Kapitän der Nationalmannschaft Andreas Granqvist. Dass die Wahl nicht auf Emil Forsberg fiel, sorgt besonders in Leipzig für Unmut.

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Elf Mal Fußballer des Jahres in Schweden, davon zehn Mal in Folge - Weltrekord. Zlatan Ibrahimović: Der wohl beste schwedische Fußballer aller Zeiten und einer der größten und polarisierendsten Stürmer unserer Zeit.

Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League: Manchester United empfängt den RSC Anderlecht. Nach 90 Minuten steht es wie bereits im Hinspiel 1:1. In der Verlängerung landet Ibrahimović nach einem Kopfball-Duell nicht sanft auf dem Rasen, sondern sein Knie knickt deutlich nach hinten ein. Ein Anblick, bei dem jeder Fernsehzuschauer das Gesicht verzieht und auch jeder Laie ohne Kernspintomograph weiß: Das Kreuzband ist durch.

Ohne Fremdeinwirkung riss sich der Superstar das vordere und hintere Kreuzband im linken Knie. Doch Ibra wäre nicht Ibra, wenn sein Knie nicht schneller heilen würde als das von anderen. Vergangenes Wochenende gab er beim 4:1-Sieg über Newcastle United sein Comeback. Für die mit exakt 211 Tagen vergleichsweise kurze Verletzungspause, hatte Ibrahimović eine einfache Erklärung: »Löwen genesen anders als Menschen«. Klar.

Trotzdem wurde Zlatan Ibrahimović, der erstmals in seiner Karriere über zwei Monate verletzt ausfiel, bei der diesjährigen Wahl für den »Guldbollen«, Schwedens Fußballer des Jahres, nicht berücksichtigt. Die Auszeichnung wird jedes Jahr von der Tageszeitung »Aftonbladet« und dem Schwedischen Fußballverband vergeben.

Überraschender Sieger

Doch wen wählt man zum Fußballer des Jahres, wenn der, der über allem steht, nicht in Frage kommt? Erstmals seit zehn Jahren fiel die Wahl auf keinen Offensivspieler, sondern auf den 32-jährigen Innenverteidiger Andreas Granqvist vom FK Krasnodar. Dieser beerbte Ibrahimović zuvor bereits als Kapitän der Schwedischen Nationalmannschaft.

Dass die Wahl auf den Kapitän fiel, der sein Land immerhin durch die WM-Qualifikation und zwei Play-Off-Spiele gegen Italien zur WM nach Russland führte, überrascht nicht, außer in Leipzig. Denn nachdem RB mit Emil Forsberg letzte Saison den besten Vorlagengeber (22 Assists) der fünf Top-Ligen Europas stellte, dachten einige, die Wahl würde auf den Spielmacher fallen.

Forsbergs Landsmann und Leipzigs Assistenz-Sportdirektor, Per Nilsson, hatte dafür absolut kein Verständnis und machte seinem Unmut auf Twitter Luft: »Es mag parteiisch klingen, aber das ist mir egal … Dass Emil Forsberg nicht den diesjährigen ›Guldbollen‹ erhält, ist mir vollständig unerklärlich!!!« Auch dessen Frau, Shanga Forsberg, hatte für die Nichtberücksichtigung ihres Ehemanns kein Verständnis. Auf Instagram teilte sie nach der Wahl ein Bild, welches die 22-Assists-Statistik Forsbergs zeigte.

Der Gewinner, Andreas Granqvist, äußerte sich dagegen eher bodenständig und zurückhaltend: »Ich will diese Auszeichnung mit meinen Kollegen aus dem Nationalteam teilen. Wir haben das alle zusammen geschafft«. Nicht ohne Grund gilt der Kapitän in seiner Heimat schon jetzt als WM-Held.


 

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