Warum die SG Wattenscheid 09 am Abgrund steht

Keine Nachhaltigkeit

Auch an Manneskraft fehlt es an allen Enden. Die Geschäftsstelle ist nur zwei Mal wöchentlich besetzt: »Der Gerd ist 65, mehr geht gesundheitlich nicht.« Auch die so wichtige Marketingabteilung wird von zwei ehrenamtlichen Mitarbeiten betrieben, die sich nach ihrer eigentlich Arbeit noch um frisches Geld für ihren Herzensverein kümmern. 

Das größte Problem ist jedoch die nicht vorhandene Nachhaltigkeit. Ein Versäumnis vergangener Jahre, aus der Zeit von Gönner Klaus Steilmann: »Unter ihm fragte der Kapitän der A-Jugend nach 25.000 Euro für ein Trainingslager. Dann hieß es: hier Junge, da haste 50.000. Dann kann die B-Jugend auch gleich mit.« Der damalige Etat für die Jugendarbeit gleicht dem heutigen Budget des Gesamtvereins.

Steilmann habe, neben vielen wichtigen und richtigen Dingen, die er für den Verein tat, einen entscheidenen Fehler gemacht: »Dietmar Hopp schafft in Hoffenheim Strukturen, die sicherstellen, dass der Verein auf eigenen Beinen weiterleben kann, wenn er mal nicht mehr da ist. Das hat Herr Steilmann nicht gemacht. Da wurden Löcher gestopft, aber nicht langfristig gedacht.« 

»Das soll sich jeder bewusst machen«

Hoffnung machen lediglich die anstehende Jahreshauptversammlung und lokale Personen wie Stefan Beermann. Der ist tätig im Marketing und könnte dem Verein helfen, aber »dann muss man auch mal aufhören zu sagen: wenn der kommt, arbeite ich nicht mehr mit. Das ist Bullshit. Wenn es um den Verein geht, müssen alle an einem Strang ziehen«, sagt Mose und gibt dabei einen vielsagenden Einblick in die Probleme innerhalb der Gremien. 

Passiert das nicht, geht es an der Lohrheide nicht mehr lange weiter. Oder wie Christian Mose es verbildlicht: »Wattenscheid 09 ist gerade ein kranker Patient, der beatmet wird. Er hat zwar Heilungschancen, aber nur dann, wenn sich genügend Fachärzte zusammenfinden, die den Patienten retten wollen. Ansonsten werden die Maschinen hier abgeschaltet und dann ist es wirklich vorbei.«

Denn wenn das Geld knapper wird, und das weiß Mose, ist der Verein tot. Eine Erholung von der Pleite, wie es zum Beispiel die Aachenr und Essener vormachten, könne es in Wattenscheid nicht geben: »Wenn wir insolvent gehen, gibt es den Verein wirklich nicht mehr. Das soll sich jeder da draußen bewusst machen.«