Warum die Schiedsrichter im Saarland streiken

Streikende Schiedsrichter sind kein neues Phänomen

Doch einigen Unparteiischen greift die Maßnahme zu kurz. »Der Verband muss uns Schiedsrichter schützen«, meint Oliver Thome. Auch wären die Vereine eigentlich zu helfen aufgefordert, indem sie Ordner abstellten.

»Vielen Vereinen fehlt einfach die Manpower und das Geld, die sind am Existenzminimum«, gibt Fischer zu bedenken. Er betont aber auch, dass nach dem Streik mehr kommen müsse und werde. Wiederholungstäter müsse man frühzeitig erfassen, junge Schiedsrichter im Umgang mit brenzligen Konflikten schulen und auch Trainer in ihrer Vorbildfunktion in die Pflicht nehmen. Der Streik sei hingegen eine einmalige Maßnahme: »Wir wollen Vereine nicht bestrafen. Kollektive Strafen, auch diese Spieltagabsage, sind schon per se schlecht. Aber wir brauchen jetzt einen Wachrüttler.«

Streik im Jugendfußball wegen Helikopter-Eltern

Die Maßnahme der Saarländer ist kein Unikum im deutschen Amateurfußball. Nicht nur gegen den Schiedsrichter protestierende Spieler gibt es im ganzen Land. Auch sogenannte Helikopter-Eltern sind ein Teil des Problems. Solche, die pausenlos um ihre Kinder herumschwirren und meinen, sich in jede derer Angelegenheiten einmischen zu müssen. Im Zweifel mit Gewalt gegen oft unerfahrene Schiedsrichter.

So auch im vergangenen Jahr in Frankfurt. Dort verweigerten die Unparteiischen nach mehreren solcher Vorfälle in der E- und D-Jugend schließlich ihren Einsatz, weshalb an einem Wochenende knapp 150 Jugendspiele ausfielen. Außerdem war einer von ihnen in einem B-Jugendspiel mit mit mehreren Faustschlägen attackiert worden, berichtete der Kreisschiedsrichterausschuss des Hessischen Fußball-Verbandes damals.

Fehlender Respekt

»Wir haben mit dem Streik die Schiedsrichter sensibilisiert, sie schreiben seitdem mehr Sonderberichte«, sagt der dortige Kreisschiedsrichterobmann Matthias Lippert heute. »Früher haben sie sich nicht getraut.« In den Sonderberichten gehen Schiedsrichter auf Spielabbrüche und deren Ursachen ein, die Vermerke gehen ans Sportgericht. Die Dunkelziffer körperlicher Übergriffe sei so gesunken, erklärt Lippert. »Aber sonst hat sich absolut nichts geändert. In dieser noch jungen Spielzeit ist schon an jedem Spieltag wieder etwas passiert. Es fehlt einfach der Respekt. Der Fußball ist auch hierbei ein Spiegelbild der Gesellschaft.«

Es sind exakt die gleichen Töne, die man aus dem Saarland hört. Auch Oliver Thome verlangt mehr Respekt gegenüber Schiedsrichter. »Wir ermöglichen den Leuten, ihr Hobby auszuüben. Und für ein paar Kröten sollen wir uns dann noch schlagen lassen?« Zumindest an diesem Wochenende werden sie davon verschont bleiben.