Warum die Schiedsrichter im Saarland streiken

Drauf gepfiffen

Am Wochenende finden im Saarland keine Fußballspiele statt. Der Grund: Die Schiedsrichter des Verbandes streiken. Wie sie damit Gewalt im Fußball in den Griff kriegen wollen.

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Was zum Fußball gehört: Ein Ball. Zwei Mannschaften. Zwei Tore. Ein Schiedsrichter.

Was dagegen nicht zum Fußball gehören sollte: Den Schiedsrichter lautstark beleidigen oder ihn aus Unzufriedenheit mit seiner Leistung verprügeln. Eigentlich.

Doch genau das geschah am 24. August nach einer C-Jugend-Partie in Merzig-Brotdorf im Saarland. Der Vater eines Jugendspielers schlug den verantwortlichen Schiedsrichter im Vereinsheim »krankenhausreif«, berichtete der »Saarländische Rundfunk«. Hinzu kamen noch am selben Spieltag weitere Spielabbrüche wegen tätlicher Angriffe von Spielern auf Schiedsrichter, die das Fass schließlich  zum Überlaufen brachten. Die Folge: An diesem Wochenende findet im ganzen Saarland kein einziges Amateurspiel statt - weil kein Schiedsrichter eine Pfeife in den Mund nehmen wird. Das verkündete der Saarländische Fußballverband.

»Das kümmert die einen Scheißdreck«

Dass der Verband den Schiedsrichterstreik unterstützt, schien vor wenigen Wochen ausgeschlossen. Denn im Anschluss an den Vorfall beim Jugendspiel in Merzig-Brotdorf hatte der Geschäftsführer des saarländischen Fußballverbandes noch erklärt, es handele sich bei diesem um eine »absolute Ausnahme«. Eine Einordnung, die für ein empörtes Echo aus der Schiedsrichterschaft sorgte. »Das ist eine bodenlose Frechheit, so etwas zu behaupten«, sagte Oliver Thome daraufhin dem Radiosender »SR3«. Er ist Schiedsrichter des saarländischen Fußballverbandes und wie viele seiner Kollegen habe er in den letzten Jahren selbst Attacken über sich ergehen lassen müssen, was den Verband nicht interessiere: »Das kümmert die einen Scheißdreck.«


Erst später gestand der Verband in Person des Präsidenten Adrian Zöhler ein, der Vorfall sei in »in dieser Form kein Einzelfall gewesen«. Insgesamt 35 Fälle körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter allein in den beiden vergangenen Jahren seien dokumentiert. Änderungen im Spielbetrieb sollte es aber trotzdem nicht geben. Als Thome und andere Schiedsrichter daraufhinverkündeten, nicht pfeifen zu wollen, und sich auch der Schiedsrichterausschuss für die Unparteiischen starkmachte, vereinbarte man in einem Gremium die Absage des Spieltags vom 13. bis zum 15. September. Dadurch fallen schätzungsweise mehr als 1000 Partien aus.

»Ein gesellschaftliches Problem«

In einem offenen Brief erklärte der Verband schließlich Anfang der Woche, man wolle mit dem Schiedsrichterstreik ein »Zeichen gegen Gewalt und Diskriminierung auf unseren Sportplätzen« setzen. »Ich war entsetzt, als ich von dem Fall im C-Jugendspiel gehört habe«, sagt Volkmar Fischer, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses. »Das kann man analog zu Übergriffen auf Polizisten und Sanitäter sehen, das ist ein gesellschaftliches Problem. Dafür wollen wir Fußballinteressierte sensibilisieren.«