Warum die Rangers (freiwillig) ohne Auswärtsfans antreten

Holy Goalie

Die Fanszene der Glasgow Rangers gilt als eine der stimmungsvollsten weltweit. Doch beim Auswärtsspiel in Bern verzichtet der Klub von Steven Gerrard heute freiwillig auf sein Ticketkontingent. Schuld daran ist der Papst - beziehungsweise ein Lied über ihn.

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Pyrotechnik, Krawalle oder Wasserflaschen vom falschen Sponsor – bei den Gründen für Strafzahlungen ist die UEFA normalerweise nicht wählerisch. Zwar ist der Verband in Sachen Rassismus nicht gerade für eine »Zero-Tolerance«-Politik bekannt, bemüht sich jedoch nach zunehmender Kritik um ein neues Image. 

 

Das bekamen zuletzt die Fans der Glasgow Rangers zu spüren, die im ersten Europa-League-Gruppenspiel 3000 Sitzplätze für ein #EqualGame-Banner im eigenen Stadion freimachen mussten. Aufgefallen sind die Fans zuvor jedoch nicht durch Bananenwürfe oder Affenlaute, sondern durch einen Schmähgesang auf den verstorbenen polnischen Papst Johannes Paul II. - nicht unbedingt das klassische Feindbild der Kurven. Wie kam es dazu?

 

Katholiken gegen Protestanten 

 

Die Stadt Glasgow ist traditionell gespalten, das Old Firm gilt als eines der größten Derbys der Welt. Das liegt zum einen an der langen sportlichen Historie, zum anderen an der religiösen Brisanz der Duelle. Sind die Celtic-Anhänger überwiegend irischer Abstammung und traditionelle Katholiken, so gilt Glasgow Rangers als Klub der Protestanten. Nicht nur beim Stadtderby kommt es regelmäßig zu religiösen Provokationen und Schmähgesängen auf beiden Seiten.

 

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte das bei den Playoff-Spielen der Rangers gegen Legia Warschau: Im Hinspiel im christlich geprägten Warschau fielen Rangers-Fans durch Gesänge gegen die katholische Kirche auf, im Rückspiel im Ibrox-Stadion präsentierten die Legia-Fans wiederum als Reaktion kurzerhand eine Choreo mit dem Konterfei des ehemaligen polnischen Papstes Johannes Paul II.