Warum die Premier League nicht die beste Liga der Welt ist

Das spanische Prestige und der englische Spielplan

Die drei Dominatoren aus Italien, Deutschland und Frankreich sind nicht mal die größte Hürde auf dem Weg zum Henkelpott. Im Zweifel gewannen die Wettbewerbe der letzten Jahre stets der FC Barcelona oder Real Madrid. Die beiden spanischen Klubs haben sich ein einzigartiges Standing im Weltfußball erarbeitet, das selbst Weltklubs wie Manchester United überstrahlt, wie regelmäßige Wechsel von Spitzenklubs nach England zu eben diesen beiden Teams beweisen. 

»Wir regenerieren nur«

Ein weiterer Vorteil all dieser Vereine ist der, im Gegensatz zum Wettbewerb auf der Insel, deutlich entspanntere Spielplan. Denn all die grandiosen Trainer, die sich mittlerweile in der Premier League tummeln, müssen auch die Zeit bekommen, mit ihren Teams zu arbeiten. 

Jürgen Klopp ärgerte sich erst zu Jahresbeginn über die Unmöglichkeit des Trainings: »Wir regenerieren doch nur und spielen gleich wieder.« Chelsea, Arsenal, Tottenham und Co. bestreiten jährlich neben den 38 Ligaspielen mehrere Pokalwettbewerbe, dazu kommt die fehlende Winterpause. Zumindest letzteres wurde von der FA vor Kurzem behoben.  

Kein Spitzenspieler will nach England

Doch die internationale Titellosigkeit in der Premier League betrifft nicht nur die Mannschaften, sondern vor allen Dingen die Spieler. Egal welche individuelle Auszeichnung man sich anschaut; Welttorhüter, Europas Fußballer des Jahres, Torschützenkönig der Champions League, Bester Spieler der WM - keine dieser Auszeichnungen gewann in den letzten zehn Jahren ein Spieler aus der Premier League. Bei der Weltfußballer-Wahl schaffte es kein Akteur mehr unter die Top Drei.

Überragende Spieler wie Gareth Bale, Cristiano Ronaldo oder Luis Suarez verlassen die Premier League bereits vor der Höhe ihres Schaffens. Andersherum gelingt es den englischen Klubs nur sehr selten, Top-Teams vom Festland Leistungsträger abzujagen. Eines der wenigen Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit ist Paul Pogba.

Dass die Besten der Welt woanders spielen, hängt größtenteils mit den oben erwähnten Möglichkeiten zusammen, die Champions League zu gewinnen. Ein Gewinn der Königsklasse ist nicht planbar (außer bei Real Madrid), doch bei einem Wechsel zu Paris, Juve, den Bayern oder Barca, können die Spieler zumindest damit rechnen, sicher teilnehmen zu können. In England ist der Kampf um die Plätze in der Champions League deutlich härter, der FC Chelsea beispielsweise darf in der nächsten Saison nur in der Europa League ran. Und für die Europa League interessiert sich keiner, der Weltfußballer werden will.

Choupo-Moting statt Neymar

Selbst die Unmengen an TV-Geld, die in der Premier League ausgeschüttet werden, sind eher ein Vorteil für Bournemouth, Watford und Leicester, als für die Vereine aus Manchester und London. Denn in der Weltspitze können auch die anderen fünf,sechs Klubs extrem hohe Gehälter zahlen, allen voran die, von allen Limitierungen befreiten, Herren aus Paris. Folglich befinden sich untern den zehn teuersten Spielern lediglich zwei Premier League-Akteure – Paul Pogba und Romelu Lukaku. Der Rest? Paris, Juve, Barca, Madrid.

Und so ist die Premier League nicht die Liga der Weltstars um Cristiano Ronaldo, Neymar und Robert Lewandowski, sondern die Liga der Xherdan Shaqiris, Eric-Maxim Choupo-Motings und der Yohan Cabayes. Viel überteuerter Durchschnitt.

Das soll aber bitte auch so bleiben. Denn für den normalen Fußball-Fan ist es schön, in Europa wenigstens noch eine Liga zu haben, bei der nicht von vornherein feststeht, wer Mitte Mai ganz oben ist. Eine Liga, die so märchenhafte Aufstiege wie die von Gareth Bale, Riyad Mahrez oder zuletzt Mo Salah produziert hat. Und vielleicht eine Liga, die, Pep und Klopp sei Dank, in den nächsten Jahren doch mal wieder unstoppable ist.