Warum die neue Saison langweilig wird

Von kleinen Klubs und großem Geld

Hin und wieder gibt es aber auch die Ausreißer nach oben, wie etwa in der letzten Saison Hertha BSC. Die Hertha wäre eigentlich schon froh gewesen, wenn sie eine ruhige Saison im Mittelfeld verlebt hätte. Stattdessen schien zwischendurch für kurze Zeit sogar die Qualifikation für die Champions League möglich, was eventuell dafür gesorgt hätte, dass sich mal mehr als die üblichen fünfzigtausend für das Gekicke des Teams interessiert hätten. Nun nicht wieder ins graue Mittelmaß abzurutschen, ist das Berliner Ziel. Immerhin spielt man Europa League, der erste internationale Einsatz seit 2009. 

Hertha: »We try. We fail. We win.«

Bei der Verpflichtung geeigneter Spieler, um sich international nicht zu blamieren und national die Flughöhe zu halten, war der Klub eher zurückhaltend, dafür wurde aber ein neuer Werbeslogan entwickelt, der gar nicht erst darauf setzt, dass der brave Schulle-Berliner vom Gesundbrunnen ihn versteht: »We try. We fail. We win.« Stattdessen soll er im St. Oberholz und anderen Internet-Kaschemmen anerkennend repetiert werden, schließlich sei die Hertha ein »Berliner Start-up seit 1892«. Das ist zwar eine sehr freie Interpretation dieses Begriffes, zumal die Hertha noch mal genau definieren müsste, mit welcher Innovation sie eigentlich die Weltmärkte erobern möchte. Noch mehr Angst hat man allerdings davor, dass der Klub demnächst auch noch einen dieser lustigen Phantasienamen verpasst bekommt: »Herthando« oder »Herthinero«.   

Anderswo wird auch noch Erstligafußball gespielt. In Darmstadt, in Ingolstadt, Freiburg und Hoffenheim, wo die Leute zwar wie in Herbergers Weisheit nicht wissen, wie es ausgeht, trotzdem den Klubs aber auch nicht übermäßig die Bude einrennen. Ungeachtet der gut gefälschten Umfragen, in denen diesen Vereinen jeweils 3,7 Milliarden Anhänger rund um den Globus bescheinigt werden, dürfte an einem Samstag mit den Partien Leverkusen gegen Hoffenheim, Wolfsburg gegen Freiburg, Mainz gegen Augsburg und Darmstadt gegen Ingolstadt die Einzeloption für den Sender Sky ein ziemliches Zuschussgeschäft werden. Das wiederum treibt so manchem Funktionär tiefe Sorgenfalten auf die Stirn, weil sich die Liga ja durch den Unterhaltungswert des sportlichen Wettbewerbs und die Teilhabe der Anhänger am Schicksal der Vereine monetarisiert. Wohlgemerkt, das mindert nicht die sportliche Berechtigung all dieser Teams, in der Eliteliga mitkicken zu dürfen. Aber für die Bundesliga und ihren vielbeschworenen Konkurrenzkampf mit Spanien und England ist die Abwesenheit vieler populärer Klubs inzwischen ein echtes Problem. 

Das Fernsehgeld sprudelt nur so

So gesehen kann man nur staunen, dass es der DFL und ihrem Chefverhandler Christian Seifert im Frühsommer gelungen ist, tatsächlich noch mehr Geld aus den Sendern herauszupressen. Dafür, dass die Klubs für die nationalen TV-Rechte für drei Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 insgesamt 4,64 Milliarden Euro kassieren, müssten die Klubbosse eigentlich stets zum Monatsende erfüllt von tiefer Dankbarkeit nach Frankfurt pilgern. Denn dass Sky, Eurosport, ARD und all die anderen fast 85 Prozent mehr Geld zahlen, obwohl die Liga gerade in der heißen Verhandlungsphase in Agonie dem Saisonende entgegendämmerte, ist wirklich ein kleines Kunststück. 

Als sich im Mai Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg in der Relegation duellierten, wurde humorig festgestellt, dass eine der beiden Mannschaften sich nach dem Duell fortan durch eine öde Spielklasse quälen und über die Dörfer tingeln müsse. Die andere hingegen dürfe in der zweiten Liga spielen. So ungefähr schaut’s aus.