Warum die neue Saison langweilig wird

Wie sieht es in Sachen Spannung aus?

Und was tun die anderen Klubs zur Spannungsförderung? So gut wie nix! In Mönchengladbach kneifen sie sich immer noch in die Armbeugen, dass sie es nach dieser so vergurkt begonnenen Saison wieder in die Champions League geschafft haben. Respektive in die Qualifikation, in der ja nicht nur Kanonenfutter als Gegner bereitsteht. Und auch wenn Manager Max Eberl optimistisch verkündete, die Mannschaft sei in ihrer Entwicklung deutlich weiter als vor vier Jahren, so wird ein Scheitern ziemlich schnell zu Diskussionen über den Coach André Schubert führen, dessen kommunikativer Nachholbedarf in erstaunlich vielen Gesprächen mit Gladbacher Funktionsträgern zur Sprache kommt.  

Kann Heidel den FC Schalke umkrempeln?

Der FC Schalke 04 wiederum wird sich erst daran gewöhnen müssen, dass mit Christian Heidel erstmals seit langer Zeit wieder ein Funktionär am Ruder ist, der ausgiebiges Schlammcatchen nicht für eine reguläre Vereinsabteilung hält. Nach den ersten Begegnungen mit Anhängern und Spielern lässt sich feststellen, dass seit langer Zeit kein Sportdirektor mehr diese Aufgabe mit so viel missionarischem Eifer angegangen ist. Ob er Erfolg haben wird, wird maßgeblich davon abhängen, wie sehr sich Heidel von den Machtkämpfen auf Funktionärsebene ablenken lassen wird und wie schnell es ihm gelingt, die von ständigen Trainerwechseln und erratischer Kaderplanung mit viel zu hohem finanziellen Einsatz geprägte Klubpolitik nach Mainzer Vorbild umzugestalten, also Spieler nicht nach großem Namen und befreundetem Berater auszuwählen, sondern nach Funktion, Talent und Nutzbarmachung für Mannschaft und Spielsystem. 

Über Leverkusen in Sachen Meisterschaft zu reden, ist müßig. Und der VfL Wolfsburg, in der vorletzten Saison noch erster Verfolger der Münchner, wirkt derzeit so, als wolle er in Zeiten, in denen Controller den VW-Konzern nach Sparpotentialen durchforsten, bloß nicht auffallen, erst recht nicht durch sportlichen Erfolg. Selten hat man eine Truppe gesehen, die eine Saison so lustlos zu Ende bringt, wie den VfL im Frühjahr. Und wer das deprimierende Julian-Draxler-Porträt im »Spiegel« vor der EM gelesen hat, bekam eine Vorstellung davon, wie fürstlich der VfL Wolfsburg die Kicker bezahlen muss, um sie zu einem Wechsel ins Zonenrandgebiet zu bewegen, und wie sehr solche Kicker warten, dass eine internationale Vorwahl auf dem Handy auftaucht. Für Draxler selbst, der ja in Wolfsburg erklärtermaßen den vielzitierten nächsten Schritt machen wollte, ist die kommende Saison, in der der Klub außer vielleicht in Belek nicht auf internationale Mannschaften trifft, eine zähe zwölfmonatige Warteschleife. Schwer vorstellbar, dass aus alledem ein entschlossener Bayernjäger erwächst. 

Gesundschrumpfen in der zweiten Liga? Das funktioniert nicht!

Und wiederum dahinter? Man ist ja stets geneigt, Traditionsklubs wie den Hamburger SV, Hertha BSC und den 1. FC Köln als Mittelschicht der Liga zu beschreiben. Nicht gut genug für oben, zugleich finanziell so gut gepolstert, dass sie sich schon sehr dämlich anstellen müssten, um ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. Das dachten der VfB Stuttgart und Hannover 96 übrigens auch und lernen jetzt, dass es keinen größeren Blödsinnssatz gibt als die Behauptung, man könne sich in der zweiten Bundesliga gesundschrumpfen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Kosten bleiben in aller Regel gleich, nur die Einnahmen durch Fernsehen, Sponsoren und Zuschauer werden weniger.