Warum die Nations League für Joachim Löw überlebenswichtig ist

Wird Löw im Abstiegsfall entlassen?

Das frühe Aus bei der WM hat den DFB ordentlich durchgeschüttelt und auch seinem Präsidenten Reinhard Grindel einen unruhigen Sommer beschert. Neulich in Nyon hat er mal wieder einen guten Tag erlebt, als Deutschland von der Uefa den Zuschlag für die EM 2024 erhielt. Grindel stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. »Ich spüre die Verantwortung, die mit dieser Vergabe verbunden ist«, sagte er. Zwei Tage später, bei einem Besuch im Aktuellen Sportstudio, kündigte er an, 2019 erneut für das Präsidentenamt beim DFB kandidieren zu wollen.

Ein Debakel, wie es die Nationalmannschaft in Russland erlebt hat, ist dazu geeignet, alles und jeden hinwegzuspülen. Beim DFB aber gibt es drei Monate später keine erkennbaren Folgen. Der Bundestrainer, seit 14 Jahren in Diensten des Verbandes, die Über-30-Jährigen in der Mannschaft, die Verbandsführung – sie alle sind weiterhin in Amt und Würden. Aber noch immer ist die Lage für alle Beteiligten prekär. Grindel wird ein eigenwilliger Führungsstil, Machtbesessenheit und Eitelkeit vorgeworfen. Und auch an der Basis grummelt es. In den Bundesligastadien hat sich vor der EM-Vergabe deutlich vernehmbarer Unmut geregt.

Viele Spieler stecken mit ihren Klubs in der Krise

»Die Weltmeisterschaft war eine große Enttäuschung, und dafür gab es Gründe«, hat Michael Ballack gesagt. »Man sollte sie ernsthaft analysieren und nicht sagen ,Wir analysieren das’, während in Wahrheit bereits beschlossen ist, am Trainer festzuhalten.« Es war vor allem Grindel, der sich ohne Wenn und Aber für Löw eingesetzt und seinen Vertrag schon vor der WM ohne Not verlängert hatte. Bei einem Abstieg in der Nations League aber, so wurde es im Sommer aus dem Verband kolportiert, werde der Bundestrainer nicht mehr zu halten sein.

Löw und die Mannschaft haben es selbst in der Hand, diesen Fall zu verhindern. Allerdings sind die Bedingungen nicht ganz einfach. Gegen Holland und Frankreich muss der Bundestrainer auf Marco Reus verzichten, der in seinen Offensivplanungen eine wichtige Rolle eingenommen hätte. Kai Havertz, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka und Kevin Trapp mussten ebenfalls verletzungsbedingt passen. Die Bayern – immerhin ein Drittel des Kaders – strotzen nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg nicht gerade vor Selbstbewusstsein, und auch Toni Kroos erlebt bei Real Madrid eine eher unerquickliche Phase (mit inzwischen 409 Pflichtspielminuten ohne Tor). Den alten Schrecken jedenfalls hat die Nationalmannschaft erst einmal verloren. Selbst die Holländer, zuletzt zweimal hintereinander in der Qualifikation zu großen Turnieren gescheitert, rechnen sich etwas aus. Die »Volkskrant« aus Amsterdam hat am Wochenende geschrieben: »Lass sie mal kommen, die Deutschen.«