Warum die magische Nacht in Florenz so unvergesslich war

Ordner verkrochen sich

Im Stadio Artemio Franchi setzte sich die Party dann fort: Die knapp 4.000 Borussen überstimmen zeitweise die violette Wand der Florenz-Fans, spätestens nach dem Treffer zum 4:2 war das Stadion fest in Gladbacher Hand. Nur einige wenige fielen aus der Reihe, als es kurz zu Schlagabtauschen zwischen Gladbach-Sympathisanten und italienischen Fans in den Blöcken neben dem Gästesektor kam. Überraschend: Die Polizei ließ Minuten auf sich warten, überforderte Ordner verkrochen sich in die Ecke des Blocks. Dennoch war die Schlägerei an diesem Tag eher eine Randnotiz, auch weil es letztlich zum Glück keine ernsthaften Verletzungen gab.

Im Siff lebt das Wunder

Ansonsten wurde das marode, aber trotzdem charmante Stadio Artemio Franchi zum perfekten Schauplatz für eine magische Gladbach-Nacht. Zugegeben, mit den »modernen Fußballtempeln« in München, Sinsheim oder Leipzig hat das Stadion mit 80er-Flair nichts zu tun. An diesem Donnerstagabend entfaltete es aber seinen ganz besonderen Charme: Vier große Flutlichtmasten, alte Tribünen, versiffte alte Toiletten a lá Bökelberg oder Aachener Tivoli. Eine wohltuende Abwechslung zum tristen Bundesligaalltag mit durchorganisierten Kommerz-Spielen. Für den Fußball-Romantiker der ideale Schauplatz für ein Fußball-Wunder – besonders für solche aus Gladbach.



Fans der Fohlenelf sind trotz der jüngeren internationalen Teilnahmen nicht wirklich erfolgsverwöhnt. Sie mussten noch in den 2000ern Manager wie Peter Pander oder Trainer wie Dick Advocaat ertragen. Sie litten unter (und mit) Spielern wie Morten Skuobo, Bernd Korzynietz, oder Kahê. Dass sie in so naher Zukunft überhaupt mal ein Comeback im Europapokal feiern würden, ist für viele Borussen immer noch unwirklich.  Jetzt steht die Borussia sogar im Achtelfinale der Europa League. All das macht die Nacht von Florenz noch atemberaubender.

Darum fährt man auswärts

Nicht umsonst sprechen viele Gladbach-Anhänger nach dem Spiel von einer der unfassbarsten Partien, die sie jemals erlebt hätten. Ein Spiel für die Ewigkeit, historisch in seiner Dimension, einmalig in seiner Dramatik. Auswärts gewonnen, in einem internationalen Wettbewerb in Italien, nach 0:2-Rückstand und einem 0:1 im Hinspiel. Geht’s denn eigentlich geiler?

Es sind Spiele wie diese, die zeigen, was diesen Sport abseits von gierigen Vereinen und Verbänden und korrupten Funktionären im Grunde doch ausmacht: Höhen, Tiefen, Glücksgefühle, bahnbrechender Jubel, ungläubige Ekstase. Das macht den Fußball so unwiderstehlich. Darum fährt man auswärts.