Warum die Kölner Fans in London so großartig waren

»Pulsierendere, passioniertere Fußballkultur«

So ergaben sich die Probleme nicht durch Tausende Fußballfans ohne Karte, die ins Stadion drängten. (Es waren sogar viel weniger als behauptet.) Das Problem war, dass Tausende Kölner Karten für Bereich des Stadions hatten, in denen sie nach den Regularien des Klubs nicht sitzen dürfen. In Deutschland mag es ein beliebtes Bildmotiv sein, wenn bei einem Derby oder Spitzenspiel zwei Fans gegnerischer Klubs nebeneinander sitzen. In England würde der Sicherheitsbeauftragte angesichts einer solchen Szene Hitzewallungen bekommen und seine Ordner schicken. Selbst viele Fußballfans finden es eine gruselige Vorstellung und echte Zumutung, neben dem Fan des Gegners ein Spiel sehen zu müssen.

Insofern muss man die Beklommenheit der Verantwortlichen und Zuschauer verstehen, die sich durch die schiere Anwesenheit der Kölner bedroht fühlten. Die aber eben auch bald feststellten, wie lustig es sein kann, miteinander zu quatschen und dann gegeneinander zu singen. Nicht alle Begegnungen mögen nett gewesen sein, aber die überwältigende Mehrheit war es schon. Es gab Raufereien mit Ordnern und den sinnlosen Versuch, das Stadion zu stürmen. Das produzierte ein paar dramatische Bilder, doch am nächsten Morgen meldete die englische Polizei fünf Verhaftungen, was nicht eben die Geschichte von wilden Riots erzählte.

»Ein fesselndes Spektakel«

»Es lag zweifellos etwas Fesselndes in dem Spektakel, wie das Emirates Stadion von einer pulsierenderen, wütenderen und passionierteren Fußballkultur überrannt wurde«, schrieb der »Guardian« und kam zu dem Schluss. »Wir haben das schon vor einer ganzen Zeit ausverkauft. Bitte nehmen sie den Ausgang durch den Fanshop.« Es ist wirklich bizarr, dass in dem Land, wo die Fankultur erfunden wurde, die Begegnung damit heute die Züge eines Culture Clash hat.  

So wäre Kölns Besuch in einer Fußballwelt, die wie mit dem Desinfektionsmittel abgewischt wirkt, fast zu einer Katastrophe für den Klub geworden. Denn genau das wäre eine Spielabsage gewesen. Vermutlich ist der Ärger auch nicht vorbei, und es wird noch Strafen geben, verhängt auf einen fernen Planeten, der Uefa heißt. Aber letztlich war dieser Abend vor allem eine unvergessliche Feier dessen, was Fußball überhaupt so groß macht.