Warum die Kölner Fans in London so großartig waren

Feier des Fußballs

Von wegen Krawalle: Die Invasion der Kölner Fans in London war vor allem eines: ein Gewinn für den Fußball. 

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Am Ende war es vor allem bewegend und laut natürlich. So laut, wie der Kölsche nun mal ist, wenn er ganz bei sich ist. Und sei das im Norden von London in der 87. Minute eines Spiels, das schon längst verloren ist. »In unserem Veedel« stimmten die Achttausend des 1.FC Köln an, die es zum ersten Europapokalspiel ihres Klubs nach 25 Jahren geschafft hatten. Das Lied ist eine Art inoffizielle Nationalhymne der Stadt, und die Botschaft sagt, dass man zusammenhält, egal was auch passiert. Das ist immer rührend und so schön selbstbesoffen, wie man eben nur in Köln ist.

Auch wegen dieses Moments wird jeder Fan des 1.FC Köln, der dabei war, bis zu seinem Lebensende davon erzählen. Tausende andere Momente gab es an einem Tag, an dem man sich zwar problemlos stundenlang durch London bewegen konnte, ohne einen FC-Fan zu sehen, andernorts aber das Gefühl einer German Invasion haben musste, die meist zwar eben laut und oft ziemlich besoffen war, aber insgesamt heiter beseelt.

Für Tickets wurden Köln-Fans zu Arsenal-Mitgliedern

Trotzdem wäre beinahe alles schief gegangen, der Anpfiff wurde um eine Stunde verschoben und offensichtlich wurde sogar darüber debattiert, das Spiel ganz abzusagen. Richtig klar ist das Bild dazu noch nicht, und zu den zentralen Rätseln des Tages gehörte, wie so viel Kölner an Tickets gekommen waren, die sie theoretisch gar nicht hätten haben dürfen. 

41.000 der 61.000 Plätze im Emirates-Stadion sind über Jahreskarten vergeben. Das gilt auch für die Spiele in der Europa League, die vor der Saison gleich mitverkauft werden. Die Jahreskarte ist aber kein Bündel von Einzelkarten, die man weitergeben kann, sondern eine Plastikkarte, die am Eingang ausgelesen wird. Eine solche für ein Spiel zu übernehmen, würde bedeuten, dass man sie nach der Partie an den Besitzer zurückschicken muss. Doch diese Mühe machten sich viele Jahreskartenbesitzer nicht. Sie blieben einfach zu Hause angesichts eines Spiel, das für sie die schmerzhafte Kränkung war, nicht mehr in der Champions League spielen zu dürfen. Die Zahl der unbesetzten Plätze war jedenfalls fast fünfstellig.

Ein vitaler Schwarzmarkt

17.000 weitere Eintrittskarten gingen in den Verkauf an Arsenal-Mitglieder, was dazu führte, dass zahlreiche Anhänger des 1.FC Köln extra für dieses Spiel Mitglieder wurden. Vermutlich kamen aus diesem Kontingent aber auch die meisten Karten auf den Schwarzmarkt, denn angeblich gibt es eine Möglichkeit sie als E-Coupon weiterzugeben. Ums Stadion gab es jedenfalls einen vitalen Schwarzmarkt, überall für Eintrittskarten von professionellen Schwarzhändler angeboten.