Warum die Indian Super League eigentlich großartig ist

Kreisklasse in der ersten Liga

Früher sorgte die Indian Super League für Aufsehen: alte Stars, verrückte Fans, riesiger Markt. Jetzt sind die meisten Stars wieder weg - und dafür Spieler wie John Jairo Mosquera gekommen! Weshalb man die Liga eigentlich lieben muss.

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In der höchsten deutschen Spielklasse ist alles durchgeplant. Jede Interview-Antwort nach einem Spiel klingt austauschbar und zielt selten auf die – oft reißerisch gestellte – Frage ab: »Wir haben als Mannschaft gewonnen.« »Einen Tabellenletzten darf man nicht unterschätzen.« Oder: »Wir alle vertrauen dem Trainer.« Das sind zwar an sich richtige Aussagen, die aber oft mit dem just gesehenen Spiel weniger zu tun haben als ein Montagabend mit der Bundesliga. Wäre es nicht erfrischend, wenn wieder Ehrlichkeit anstatt Professionalität einziehen würde in die Bundesliga-Mixed-Zone? Also etwas Kreisklasse in die 1. Liga?

Das wird nicht passieren, aber das muss es auch nicht – denn es gibt sie bereits: Die Liga, wo Spieler kein Blatt vor dem Mund nehmen, kein Corporate Governance-Manifest im Eingangsbereich thront, kein Medienbeauftragter Probeinterviews mit Spielern führt. Die Indian Super League. Anders ist der jüngste Eklat nicht zu erklären: Dimitar Berbatov, dreifacher englischer Meister mit Manchester United, spielte bei den Kerala Blasters FC unter Trainer David James. Und wer jetzt fragt: »Wer ist denn auf die Idee gekommen, einem Slapstick-Torwart eine führende Position in einem Verein zuteilwerden zulassen?« dem sollte gesagt sein: »Willkommen in der indischen Liga.«

»Schlechtester Möchtegern Trainer aller Zeiten«

Obwohl Berbatovs Vertrag noch bis 2019 geht, schickte er am Wochenende ein Selfie aus einem Flugzeug mit den Hashtags »#worstwannabecoachever« (»schlechtester Möchtegern Trainer aller Zeiten«) und »#worsttacticaladvice« (»schlechteste taktische Vorgaben«) und erklärte der Welt, dass er und die Kerala Blasters Geschichte seien. Wann hat man solche Aussagen das letzte Mal in der Bundesliga gehört? Wirkt die deutsche Liga nicht im Vergleich wie domestiziert?