Warum die FIFA indische Teams aus internationalen Wettbewerben ausschließen will

Slumdog Footballer

Seit einigen Jahren werden in Indien zwei Meisterschaften parallel ausgetragen: Die I-League und die ISL. Was erst kein Problem war, könnte nun zu ernsthaften Sanktionen für den Indischen Fußballverband führen.

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Sepp Blatter ist nicht gerade bekannt dafür, durch kluge Äußerungen aufzufallen. Umso mehr überrascht seine Analyse, die er einst über den indischen Fußball fällte: Er bescheinigte dem Land ein »riesiges Potenzial« und bezeichnete es als »schlafenden Riesen«. Nun mögen diese Phrasen gerade in den Ohren von Rot-Weiß-Essen- oder Kickers Offenbach Fans etwas ausgelutscht wirken, doch treffen sie in diesem Fall voll und ganz zu. Denn jeder sechste Mensch auf diesem Planeten ist Inder, das Land hat rund 1,3 Milliarden Einwohner. Zwar ist Cricket nach wie vor die mit Abstand beliebteste Sportart, doch der Fußball hat in den letzten Jahren in breiten Teilen der Gesellschaft an Beliebtheit gewonnen. Dazu kommt, dass sich die lange Zeit erfolglose Nationalmannschaft für die Asienmeisterschaft im nächsten Jahr qualifizieren konnte. Beste Vorrausetzungen also, um mit einem auf Langfristigkeit ausgelegten Konzept den Erfolg zu suchen und zu finden. Wäre da nicht die chaotische Situation rund um die höchste(n) Spielklasse(n) des Landes.

Im siebtgrößten Land der Welt werden seit einigen Jahren zwei Meisterschaften parallel ausgetragen: Auf der einen Seite die 2007 gegründete »Indian Professional Football League« (I-League), deren Ursprünge bis in die 90er Jahre reichen, auf der anderen Seite die »Indian Super League« (ISL), die seit 2014 einen Meister ausspielt. Letztere wurde mit dem Ziel gegründet, den Fußball in Indien attraktiver zu machen, was man zunächst dadurch erreichen wollte, fröhlich Geld zu verbrennen um stark in die Jahre gekommene Weltstars im Winter ihrer Karriere zu verpflichten. Unter anderem Alessandro Del Piero, David Trezeguet, Robert Pires und last, but also least Manuel Friedrich gaben sich die Ehre, für einige Monate die Fußballschuhe ein letztes Mal zu schnüren.

Wie geht es weiter?

Die genannten Akteure verließen Indien zwar bald wieder, doch die ISL wird weiterhin jedes Jahr ausgespielt. Wie in der Major League Soccer in den USA treten Franchiseteams gegeneinander an, einen Auf- und Abstieg gibt es nicht. Aufgrund der finanziellen Überlegenheit wechselten die meisten bekannten Spieler des indischen Fußballs – darunter Granden wie Subrata Pal und Climax Lawrence - von der I-League in die ISL, sodass trotz nomineller Gleichstellung zwischen den Spielklassen letztere dominant ist. Dazu kommen fanfreundlichere Anstoßzeiten für Fernsehzuschauer. Doch ungeachtet dieser Tatsache – oder gerade deshalb – ist die I-League bei den Zuschauern beliebter. Zu Derbys kommen regelmäßig über 100.000 Zuschauer, vielen Fans fällt dort die Identifikation mit den Spielern leichter.

In der Stadt Dwarka bei Neu-Dehli, wo der Fußballverband des Landes seinen Sitz hat, weiß man aber, dass es so nicht weiter gehen kann. Man fürchtet den Ausschluss indischer Teams aus der asiatischen Champions League, den FIFA und der Kontinentalverband AFC Berichten zu Folge als Sanktion planen, wenn bis zur nächsten Saison kein Kompromiss für eine eingleisige Liga gefunden werden sollte. Vertreter beider Spielklassen haben deshalb Gespräche aufgenommen, es wird fieberhaft nach einer Lösung gesucht. Vielleicht kann ja Sepp Blatter dabei helfen, den schlafenden Riesen endlich zu wecken.

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