Warum die erfolgreiche 50+1-Kampagne nur der Anfang sein sollte


Weiter, immer weiter!

Die 36 DFL-Mitglieder haben sich mehrheitlich für den Erhalt der 50+1-Regelung ausgesprochen. Eine Entscheidung, auf der die Fanszenen aufbauen müssen.

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Die Entscheidung für den Erhalt von 50+1 gestern hat eines gezeigt: Nur weil sich der Profifußball mehr und mehr von der Basis entfernt, ist es noch nicht zu spät, ihn – zumindest teilweise – wieder einzufangen. Für diese Erkenntnis sollten wir den Aktivisten, die in den vergangen Wochen durch die Gründung der »50+1 bleibt«-Initiative Kräfte gebündelt und sich dadurch Gehör in der Öffentlichkeit verschafft haben, ehrlich dankbar sein.



Sie haben gezeigt, was auch im Jahr 2018 noch möglich ist. Wenn man sich organisiert, wenn man mit Argumenten statt Gezeter die eigene Meinung vertritt und wenn man verdeutlicht, dass sich eigene Anliegen nicht einfach kleinreden oder wegwischen lassen. Auch, weil die Initiatoren Ausrutscher ins Niveaulose vermieden – und sich dadurch von den 50+1-Gegner nicht angreifbar machten. Stattdessen haben sie die entscheidenden Leute in ihren Vereinen, in den Medien und in der Szene angepikst, um im richtigen Moment Schwung zu holen. Und ob sich einzelne Vereine nur für den Erhalt der Regelung aussprachen, um sich so den »schnellen Applaus bestimmter Fan-Gruppen zu sichern« – wie es Matthias Brügelmann in der »BILD« so wunderbar schwachsinnig formulierte (um sich den Applaus bestimmter Leser-Gruppen zu sichern?) – ist in der Endabrechnung weder billig noch verantwortungslos, sondern schlichtweg die richtige Entscheidung.

Es gibt noch genug zu tun

Weil es manchmal nicht schaden kann, Kritik als konstruktiv zu verstehen und auf diese dann auch entsprechend zu reagieren. Darüber hinaus liegt es ja durchaus im Bereich des Möglichen, dass sich einzelne Vereinen schlicht aus Überzeugung für den Erhalt von 50+1 entschieden haben, vollkommen unabhängig vom Applaus-Potenzial aus den eigenen Reihen.



Was außerdem viele noch immer nicht verstanden haben: Den Befürwortern der 50+1-Regelung geht es nicht darum, anderen Fans den sportlichen Erfolg der eigenen Mannschaft zu verbauen oder zu diktieren, welcher Investor wieviel Geld in welchen Verein pumpen darf. Es geht einzig und allein darum, dass diese Fragen auch zukünftig noch auf Mitgliederversammlungen diskutiert werden können. Wenn sich die Mehrheit der Mitglieder dann wie in Köln oder Bochum dafür entscheidet, Klubanteile zu verkaufen, dann ist das in Ordnung. Aber man sollte ihnen diese ureigene Wahl auch in Zukunft noch zugestehen. 



Was dank des Protestes, dank der unzähligen Banner und Sprechchöre in den Stadien der Republik und dank der Solidarität untereinander nun glücklicherweise so bleiben wird. Ein Erfolg der Basis, der Mut macht. Und der allen, die zuletzt das Bedürfnis hatten, ob der teilweise grotesken Entwicklungen im Fußball den Kopf in den Sand zu stecken, neue Motivation verschaffen sollte. Damit auch weiterhin eine Gegenöffentlichkeit entstehen kann, damit es laut laut wird und laut bleibt. Denn, 50+1 hin oder her, es gibt noch genug zu tun. Genug Dinge, die schief laufen. Genug Druck, den es aufzubauen oder aufrechtzuerhalten gilt. Ob Anstoßzeiten im Allgemeinen, Montagsspiele im Speziellen oder dubiose Ausnahmeregelungen für Red Bull: Es ist noch nicht zu spät, um Einfluss zu nehmen.