Warum die Entscheidung von Joachim Löw falsch ist

Eine gewisse Tragik liegt in der Nachricht

Man mag an das Beispiel Margot Käßmanns denken. Nach einem Straßenverkehrsdelikt war sie Anfang 2010 von ihrem Bischofsamt und dem Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland zurückgetreten - ohne dass es auch nur ein Mensch gefordert hatte. Das brachte ihr Anerkennung und Bewunderung ein. Aber solche Menschen scheint es immer seltener zu geben in bedeutsamen und öffentlichen Ämtern, sei es im Sport oder in der Politik.

Joachim Löw hat die Einsicht und die Kraft dazu nicht aufgebracht. Von ihm weiß man, wie sehr er an diesem Amt und seinen Annehmlichkeiten hängt. Die Stellung des Bundestrainers ist herausragend, die Entlohnung übersteigt die der Bundeskanzlerin um ein Vielfaches, der Arbeitsaufwand ist dafür überschaubar.

Eine gewisse Tragik liegt in der Nachricht

Löw hat eine gute Gelegenheit ausgelassen, als einer der ganz großen deutschen Trainer von der Bühne zu gehen. Er hat dem deutschen Fußball einiges gegeben, mithin die Mannschaft zum vierten WM-Titel 2014 in Brasilien geführt. Doch er hat eben auch ein historisch schlechtes Abschneiden zu verantworten, ohne dafür die Verantwortung auch zu übernehmen.

Ja, ein Trainer, ein Bundestrainer dazu, darf scheitern bei einem Turnier. Es ist dann immer die Frage, wie er damit umgeht. Andere an seiner Stelle hätten womöglich ein schlechtes Gewissen gehabt. Von Löw dagegen gibt es leider nur Bilder, wie er am Wochenende eine Kaffeefahrt in einem Cabriolet unternommen hat. Das allein schließt nicht aus, dass er sich Gedanken gemacht hat um das WM-Aus. Doch verortet er die alleinige Schuld ganz offenbar bei der Mannschaft. Und so liegt in der Nachricht vom Dienstag eine gewisse Tragik.