Warum die Eintracht-Choreo abgesagt wurde

»Innenminister Beuth führt einen persönlichen Kleinkrieg«

Zur Entspannung des Verhältnisses haben derlei Scharfmachereien natürlich nicht beigetragen, im Gegenteil. Die Durchsuchung der Räumlichkeiten erfolgte mit Sprengstoffhunden, gefunden wurde nichts. Die Fans empfanden die Maßnahme als gezielte Provokation, in einem Statement heißt es: »Bereits seit Wochen gibt es rund um die Nordwestkurve verschiedenste Polizeieinsätze, die offenbar zum Ziel haben, eine Eskalation herbeizuführen. Innenminister Beuth führt dabei einen persönlichen Kleinkrieg und lässt seine Truppen nach Gutdünken operieren.«

Die Polizei Frankfurt hingegen spricht auf Nachfrage von »Schlüsselwörtern« in Fischers Statement, von denen sich Anhänger »aufgefordert fühlen könnten, Pyro zu zünden.« Als Reaktion auf die Durchsuchung fertigten die Ultras ein Banner an, von dem es seitens der Polizei in schönstem Behördensprech heißt, es habe »einen verschmähenden Inhalt zum Nachteil unseres Staatsministers Herrn Beuth« gehabt.

Kurz nach Öffnung der Stadiontore habe sich die Polizei dazu gezwungen gesehen, das Banner einzukassieren, um »eine Straftat zu unterbinden«, so Polizeisprecher Andrew McCormack. Man habe sich »mit sehr aggressiven Fans« konfrontiert gesehen. Videos zeigen allerdings den ansatzlosen Schlagstockeinsatz der Beamten. Die Frankfurter Rundschau schreibt, es habe Verletzte gegeben, unter anderem einen Lendenwirbelbruch. Die Polizei hat davon keine Kenntnis, man sei »überrascht« von den Berichten, so McCormack.



»Das war natürlich kein Aufruf für Gewalt«

Der Verein Eintracht Frankfurt ist von den Geschehnissen geschockt. Nicht weil der Frankfurter Fangemeinde eine weitere herausragende Choreografie verloren ging, sondern weil das Agieren der Polizei »rechtsstaatlich bedenklich« sei, so SGE-Vorstand Axel Hellmann. Hellmann hatte am Donnerstag noch diverse Male persönlich mit dem Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill telefoniert, um ihn vom Vorhaben der Durchsuchung abzubringen. Vergebens. »Ich kann es nicht nachvollziehen, dass die Polizei aufgrund eines emotionalen Videos so etwas veranlasst. Das war natürlich kein Aufruf für Gewalt oder das Abbrennen von Pyrotechnik«, so Hellmann weiter.

Als Innenminister dürfte Peter Beuth übrigens auch für Recycling-Fragen zuständig sein. Die Choreo der Eintracht-Fans hätte aus tausenden silbernen, roten und schwarzen Fähnchen bestanden, die im gesamten Rund hätten geschwenkt werden sollen, schließlich aber in großen Haufen vor dem Stadion lagen. Nicht nur deswegen dürfte Beuths Behörde heute alle Hände voll zu tun haben.

Fußball gespielt wurde übrigens auch noch. Eintracht Frankfurt gewann mit 4:1.