Warum die Drittligisten in Österreich nicht aufsteigen wollen

Ja, will denn keiner?

Ab der kommenden Saison soll die Ligastruktur in Österreich reformiert werden. Doch nun gehen dem Verband die Bewerber für die zweite Liga aus.

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Es klang alles so schön. Um das Niveau der ersten österreichischen Bundesliga zu erhöhen, denkt sich die ÖFBL einen ausgeklügelten Plan aus. Die Bundesliga soll auf zwölf Mannschaften aufgestockt werden, die in einem komplizierten System den neuen Meister ausspielen – und in der zweiten Liga sollen aus zehn sogar 16 Mannschaften werden. So weit, so gut.


Die geplante Zusammenstellung des Unterbaus in Österreich ist etwas ganz Besonderes. Ambitionierte Vereine wie Austria Lustenau, die in die Erstklassigkeit streben, sollen zusammenkicken mit maximal drei Nachwuchsteams der Bundesligisten sowie – und hier liegt die Krux – besseren Amateurvereinen, deren Kader aus Studenten und Arbeitern besteht. Die Idee hat ihren Charme, das Duell David gegen Goliath würde von einem Pokalwettbewerb in einen regelmäßigen Ligabetrieb importiert. Das Problem aber ist: Viele Klubs sind mit den finanziellen und strukturellen Aufgaben schlichtweg überfordert. Diese haben es nämlich in sich: Die Mannschaften müssen mindestens acht Nachwuchsteams für Jugendliche zwischen zehn und 21 Jahren stellen, der Anteil der U23-Spieler soll über 25 Prozent liegen, die Trainer müssen mit der UEFA-A-Lizenz ausgestattet und ein Manager muss angestellt sein. Professionelle Strukturen sind also gefordert. Immerhin bei den Bedingungen der Stadien macht die ÖFBL einen Schritt auf die bisherigen Amateurvereine zu: Statt wie bisher 1000 braucht es nun nur noch 250 überdachte Plätze.

Steigt der Neuntplatzierte auf?


Um zu verstehen, wo nun das Problem liegt, muss zunächst die Struktur der Drittklassigkeit in Österreich begriffen sein: Es gibt die Regionalliga Ost, die Regionalliga Mitte und die Regionalliga West. Aus jeder dieser Ligen sollen drei Vereine in die neue zweite Liga aufsteigen. Doch die wollen das gar nicht. Vor allem die Regionalliga West macht Probleme. Lediglich das Amateurteam von Wacker Insbruck stellte den Antrag auf Zulassung für die zweite Liga. Perfide dabei ist, dass die Truppe in der Tabelle gerade einmal auf dem neunten (!) Rang liegt. Doch die Top-Teams der Liga USK Anif, SV Grödig und SCR Altach II verzichteten allesamt auf den Lizenzantrag.

In Anif sah Sportdirektor Helmut Fraisl zunächst noch die Chance, zu wachsen: »Es wäre ein guter Schritt und wir könnten uns weiterentwickeln. Doch es sind sehr viele Schritte, die ein Amateurverein machen muss«, sagte er gegenüber 12termann.at. Zu viele, wie sich später herausstellte. In Grödig — immerhin zwischen 2013 und 2016 noch erstklassig — wurde von vornerein abgewunken und auch Altach sind die infrastrukturellen und organisatorischen Anforderungen einfach zu groß. Dabei wäre es laut Geschäftsführer Christoph Längle sportlich »natürlich eine Verlockung« und die Chance »fast einmalig«. Selbst der Aufstieg von Wacker Innsbrucks Zweitvertretung ist unsicher, muss die erste Mannschaft doch erst einmal den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen. Denn zwei Mannschaften eines Vereins sind freilich nicht erlaubt.