Warum die Champions League sich dringend neu erfinden muss

Symbol der Gier

Die Champions League gilt als Erfolgsmodell. Dabei reißt sie tiefe Gräben in den europäischen Fußball. Chefredakteur Philipp Köster fordert eine tiefgreifende Änderung. 

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Als im Juni die vergangene Champions-League-Saison mit dem Finale in Berlin endete, wurde der Pokal zuvor in einer etwas affigen Prozedur durch die Hauptstadt gefahren. Kurz bevor die Trophäe in der Friedrichstraße auf einen Wagen geladen wurde, durften sich Gewinnspielteilnehmer der Sponsoren mit dem Silberpokal fotografieren lassen. Allerdings dürften sie, so die Mahnung eines UEFA-Offiziellen, die Trophäe nicht über den Kopf heben, das sei allein den Spielern der Siegermannschaft vorbehalten. Daraufhin ging der erste Gewinner zur Trophäe, packte sie – und hob sie sich jubelnd über den Kopf.

Eine absurde Idee

Es blieb einer der wenigen Regelverstöße bei einer ansonsten bis ins letzte Detail durchgeplanten Veranstaltung im Olympiastadion, dem Schlusspunkt einer Champions-League-Spielzeit, die wieder einmal vor Superlativen strotzte. Ausverkaufte Stadien, ausgeschüttete Millionensummen und mit dem Finale in Berlin ein Spektakel, das von rund 360 Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt gesehen wurde.

Und in den nächsten Jahren geht es heiter weiter: Von 2015 bis 2019 werden an die teilnehmenden Klubs rund 1,257 Milliarden Euro ausgeschüttet, gegenüber den zurückliegenden Jahren ist das eine Steigerung um etwa 25 Prozent. Wer käme also auf die absurde Idee, diesen spektakulärsten Wettbewerb des Klubfußballs zu kritisieren, auch nur ein böses Wort über diese kommerzielle Erfolgsgeschichte zu verlieren?

Nein, die Champions League ist ein perfekt inszenierter Mix aus Entertainment und Spitzenfußball. Jedenfalls, wenn man es mit den Augen der UEFA und der vielleicht zwanzig großen Klubs aus den fünf größten Ligen sieht, die diesen Wettbewerb seit Jahren dominieren. Für sie ist die Champions League ein verlässlicher Geldbeschaffer und die perfekte Bühne, um ihre Stars glitzern zu lassen. Auf dass noch mehr Anhänger in die Fanshops rennen, um dort Tickets und Trikots zu erstehen.

Die Karikatur eines europäischen Turniers

Man kann die Champions League allerdings auch anders sehen. Als Symbol der Gier, als Wettbewerb der Reichen, als Karikatur eines ursprünglich mal europäischen Turniers. Vor allem aber als eine der Ursachen dafür, dass inzwischen in vielen nationalen Spielklassen der sportliche Wettstreit um den Titel nahezu zum Erliegen gekommen ist. Die absurde Überfinanzierung durch die Königsklasse hat in nahezu jeder Liga einige wenige Überflieger produziert, die seither die Titel unter sich ausmachen. Das gilt für große wie für kleine Spielklassen.