Warum die Bundesliga immer unattraktiver wird

Wie Domenico Tedesco Ästhetik für Erfolg opfert

Klopp hat diesen Fußball dann mit seinen Mainzern spielen lassen, nur ohne die Qualität der damaligen Galaktischen von Real. Und er hat diesen Fußball später auch bei Borussia Dortmund spielen lassen - mit einer Qualität, die der von Real Madrid mit jedem Jahr ein Stückchen näher kam. »Gegenpressing ist der beste Spielmacher«, hat Klopp einmal gesagt. Der BVB wollte manchmal gar nicht den Ball haben. Mats Hummels hat in einem schwachen Moment sogar verraten, dass die Dortmunder den Ball bei Einwürfen bewusst zum Gegner werfen - um diesen Moment dann zum Gegenpressing zu nutzen.

Gegen-den-Ball-Fußball ist einmal Außenseiterfußball gewesen. Der Versuch, spielerisch überlegenen Gegnern mit einem besseren Plan beizukommen. Das Problem ist: In der Bundesliga wird er längst von Mannschaften gespielt, die gar keine Außenseiter sind. Vom FC Schalke 04 zum Beispiel, der die Saison vermutlich als Meister hinter den Bayern abschließen wird.

Der Zweite, den die Liga verdient

Zyniker behaupten, mit Schalke bekomme die Bundesliga genau den Zweiten, den sie verdient habe. Unter Domenico Tedesco, einem der jungdynamischen Tüftler auf der Trainerbank, ist die Mannschaft erfolgreich wie lange nicht - allerdings unter Verzicht auf fast sämtliche ästhetischen Elemente in ihrem Spiel. Wie kaum jemand in der Bundesliga richtet Schalkes Trainer seine Mannschaft am jeweiligen Gegner aus. Für jede Begegnung gibt es einen speziellen Matchplan.

Als Schalke Anfang März auf Hertha BSC traf, erzählte Tedesco, die Vorbereitung auf das Spiel hätte gezeigt, dass die Berliner immer dann gewonnen hätten, wenn sie weniger Ballbesitz gehabt hätten als ihr Gegner. Daher sei es in diesem Spiel das Ziel gewesen, selbst möglichst wenig Ballbesitz zu haben. Als Tabellendritter! Gegen den Elften! Im eigenen Stadion! Schalke gewann 1:0 und verbesserte sich auf den zweiten Tabellenplatz.