Warum die Bayern so überlegen sind

Das Ende der Großen Männer

Noch ein Problem sprach Lahm damals an: »Ich glaube einfach, unser größtes Problem liegt im Mittelfeld. Wir haben enorme Probleme gegen Teams, die hinten drin stehen. Wir können keine Mannschaft auseinandernehmen.« Wenn man Bayer heute spielen sieht, könnte man den Eindruck haben, dass Lahms Wunschzettel inzwischen komplett abgearbeitet worden ist. Denn Bayern kann jede Mannschaft der Welt auseinandernehmen. Auch dank eines sensationellen Mittelfelds, das von Louis van Gaal auf den Weg gebracht, von Jupp Heynckes gut gepflegt und von Pep Guardiola differenziert und verfeinert worden ist.

Die Verpflichtungen sind inzwischen gut durchdacht

Es gibt auch längst keine Eitelkeit-Transfers mehr, sondern fast nur noch extrem gut durchdachte Verpflichtungen. Man darf sich zwar fragen, ob Spieler wie Javier Martinez oder Mehdi Benatia wirklich Ablösesummen von 40 bzw. 28 Millionen Euro wert sind, aber passen tun sie. Außerdem ist für Spitzentalente der Weg in die erste Mannschaft kürzer geworden, seit van Gaal die damaligen Youngster David Alaba und Thomas Müller so schnell promovierte. Heute profitiert einer wie Joshua Kimmich von dieser veränderten Kultur.

Für den FC Bayern schreibt das eine Erfolgsgeschichte, die in diesem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass erstmals ein Klub vier Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewinnt. Denn der FC Bayern ist nicht nur viel reicher als die Konkurrenz, er ist längst auch ein schlauer Klub. Spätestens mit dem Ende der post-feudalistischen Medizinabteilung und dem Abgang von Müller-Wohlfahrt ging im Frühjahr das Guru-Zeitalters der Großen Männer endgültig zu Ende. Der FC Bayern ist inzwischen ein Klub der unauffälligen Super-Spezialisten, die nicht über ihr Ego, sondern die Sache kommen. Personifiziert wird das von dem öffentlich weitgehend unbekannten Kaderplaner Michael Reschke, der schon in Leverkusen selten daneben lag.

Die Nachfolger von Ribery und Co. sind bereits gefunden

Er hat zuletzt dafür gesorgt, das sich ein ja durchaus spektakulärer Umbruch nicht einmal so anfühlt. Es ist das Jahr Eins nach Schweinsteiger, sowie still und heimlich auch das Jahr nach Ribery , doch mit der Verpflichtung von Douglas Costa und Kingsley Coman ist schon jetzt besserer Ersatz auf den Flügeln gefunden worden als man ernsthaft erwarten konnte. Und der von Guardiola in dieser Woche zum künftigen Nationalspieler raufgeredete Joshua Kimmich deutet an, dass er der Mann für die Zeit nach Xabi Alonso werden könnte.

Alle, die nicht ausdrücklich Anhänger des FC Bayern sind, sollten sich schon mal auf eine milde Herbstdepression einstellen. Denn bei allem Respekt vor dem Comeback von Borussia Dortmund (und übrigens auch Schalke 04), wirkt kein Bundesligist wie ein echter Herausforderer der Bayern. Wer sich darüber beschweren möchte, sollte sich bitte an Philipp Lahm wenden.