Warum die Bayern so überlegen sind

Das Ende der Doofheit

Am Sonntag könnte der FC Bayern mit einem Sieg gegen Dortmund die Meisterschaft gefühlt vorentscheiden. Ein Blick in die jüngere Geschichte erklärt den Ursprung der Münchner Überlegenheit.

imago

Wenn einmal die jüngere Geschichte des FC Bayern aufgearbeitet werden sollte, dürfte sich dabei ein Interview als Schlüsseldokument erweisen. Vor fast genau sechs Jahren, Anfang November 2009, erschien es in der Süddeutschen Zeitung. Befragt wurde damals Philipp Lahm, und alles an diesem Gespräch war bemerkenswert. Der zutiefst unrebellische Spieler hatte es nämlich an der Pressestelle des Klubs vorbei lanciert, löste eine heftige öffentliche Debatte aus und wurde schließlich mit einer Geldstrafe in Höhe von angeblich 25.000 Euro belegt. Es ist nicht überliefert, ob Lahm wirklich zahlte, aber wenn, war es das bestangelegte Geld seiner Karriere. Wer nämlich verstehen will, warum der FC Bayern die Bundesliga heute auf so unglaubliche Weise dominiert, muss nur schauen, worüber Lahm damals sprach.

Wozu Podolski? Wozu Timoschtschuk?

Zunächst einmal forderte der damals stellvertretende Mannschaftskapitän von seinem Klub eine Idee ein. »Wenn man sich mit Barcelona, mit Chelsea, mit Manchester United messen will – dann braucht man als FC Bayern eine Spielphilosophie«, sagte er. Der FC Bayern kaufte auch damals immer gute Spieler ein, oft aber, ohne genau zu wissen, wie man sie einsetzen wollte. Wozu Bayern etwa einen Lukas Podolski oder einen Anatoli Timoschtschuk brauchte, wurde nie klar. Den ausgewiesenen Außenstürmer Arjen Robben holte der Klub 2009 aus Madrid, obwohl die Bayern eigentlich mit zwei Spitzen und nicht mit klaren Außen spielen wollten - es dann aber doch taten.

»Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind«, forderte Lahm und damit nicht weniger als eine neue Vereinspolitik. Eine, die sich beim Sportlichen von dem abwandte, was Volker Finke in seiner Zeit beim SC Freiburg mal »Heroenfußball« genannt hatte. Also einfach mit Geld um sich schmeißen, gerne von aufkommender nationaler Konkurrenz große Namen verpflichten und einen Trainer das irgendwie zusammenbasteln lassen. Für die anderen war es natürlich prima, dass sich der Riese so plump und doof anstellte. So hatten sie trotz der dramatischen wirtschaftlichen Unterlegenheit wenigstens ab und zu eine Chance, wenn sie schneller, einfallsreicher und geschickter waren.

Van Gaal setzte den ersten Spatenstich

Borussia Dortmund sollten den Bayern das mit den Titelgewinnen 2011 und 2012 vormachen, nachdem Jürgen Klopp eine klare Spielidee etabliert und die entsprechenden Spieler gesucht hatte. Doch die Bayern waren da schon längst auf dem Weg in die gleiche Richtung. Lahm hatte in besagtem Interview auch Trainer Louis van Gaal glühend verteidigt, weil der und seine Spielidee gerade unter Druck standen. Bayern war damals mit sechs Punkten Rückstand auf die Spitze nur Tabellenachter (wurde am Ende aber doch Deutscher Meister).