Warum die Bayern langweilig geworden sind

Gezutzelte Weißwurst

Das Aus des FC Bayern in der Champions League beweist: Der Rekordmeister ist längst nicht so überirdisch, wie es seine Darbietungen in der Bundesliga glauben machen.

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Der deutsche Fußball ist eine »Truman Show«. Gestern Abend haben wir die Tür aus dem Studio gefunden. Es war nicht das erste Mal, dass uns Fußballfans das seltsame Gefühl beschlich, nur Teil einer großen Inszenierung zu sein, die uns weißmachen will, die Bundesliga sei mit die beste Spielklasse der Welt und die Mannschaft des FC Bayern ein mit sensibler Expertenhand zusammengestelltes Ensemble aus Genies und Halbgöttern.

 

Das Viertelfinal-Aus gegen Real Madrid war trotz des wackeren Aufbäumens der Münchner ein Beweis, dass etwas faul ist im Freistaat Bayern – und damit im ganzen Land. Schließlich gibt es nunmehr im fünften Jahr keinen Klub mehr, der hierzulande dem FCB ernsthaft das Wasser reichen kann. Wir haben uns damit abgefunden, dass Uli Hoeneß’ feuchter Traum von zehn Meistertiteln in zehn Jahren keine größenwahnsinnige Dystopie mehr ist, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Jahr 2022 Realität sein wird. Doch wenn es auf internationaler Bühne um die Wurst geht, fehlt dem Klub beständig das Instrumentarium für die großen Siege.

In der Phalanx internationaler Spitzenklubs bleibt der FCB ein Juniorpartner 

 

Es wäre leicht, den FC Bayern für seine Dominanz in der Bundesliga zu hassen. Ein gelernter Vorgang. Ein Gefühl, das wir kennen. Seit Ewigkeiten. Nun aber müssen wir uns eingestehen: Dieser Klub verdirbt uns nicht nur mit seiner übermächtigen Stärke den Spaß am Spiel, auch seine Machtlosigkeit in den entscheidenden Momenten nervt zunehmend. Zu akzeptieren, dass die Münchner mit Trainingsspiel-Leichtfüßigkeit in der Liga die Konkurrenz in Grund und Boden spielen, ist das eine. Die Regelmäßigkeit, mit der sie nun bereits zum vierten Mal in Folge von einem spanischen Team aus der Champions League katapultiert werden, aber ist deprimierend. Denn das Aus gegen die Königlichen zeigt: Trotz der enormen Investitionen, stetig wachsender Gewinne und des überquellenden Festgeldkontos, bleiben die Münchner in der Phalanx internationaler Spitzenklubs ein Juniorpartner. 

Daran ändert auch Trophäensammler Carlo Ancelotti nichts. Bislang gingen Experten davon aus, dass erst in der Crunch Time der Saison die wahre Größe des Italieners sichtbar würde. Dass das Pokerface trotz Hinspielniederlage gegen seinen Lehrling Zidane noch einen Trumpf aus dem Ärmel zöge. Schließlich war es spätestens seit Ancelottis Inthronisierung offizielle Lesart, dass Vorgänger Pep Guardiola mit seinem strapaziösen Stil die alleinige Schuld daran trage, dass dem FCB-Kader wiederkehrend in der Rückrunde die Luft ausgegangen sei. Ein Scharade, die nun aufgeflogen ist. Denn unterm Strich kann die Bilanz im Ergebnissport Fußball nur lauten: Der deutsche Rekordmeister ist international nicht gut genug. Nachdem der Klub unter Guardiola drei Mal im Halbfinale ausschied, war nun bereits im Viertelfinale Schluss.