Warum die Bayern kriseln

2013 ist vorbei

Carlo Ancelotti ist Geschichte. Trotzdem kommen die Bayern gegen Hertha BSC nicht über ein 2:2 hinaus. Was ist da los? Das sind die fünf Probleme der Bayern.

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Eine »Retropie« bezeichnet eine Form der Utopie, bei der man das Heil in der als glorreich angesehenen Vergangenheit sucht – oder einfacher gesagt: »Früher war alles besser«. Nun muss der FC Bayern München nicht allzu weit in die eigene Vergangenheit zurückgehen, um eine solche Retropie zu entwickeln: Es soll am Besten alles wieder so sein wie 2013, als der FC Bayern unter Jupp Heynckes das Triple gewann.

Der neue Trainer Willy Sagnol hat gegen Hertha einen solchen Rückgriff in die Vergangenheit versucht. In der ersten Halbzeit ließ er astreinen Jupp-Heynckes-Fußball spielen: Er stellte die Bayern in einem 4-2-3-1 auf. Das klassische Bayern-Trio Franck Ribery, Thomas Müller und Arjen Robben durfte hinter Robert Lewandowski ran, Javi Martinez agierte erstmals seit langer Zeit nicht als Innenverteidiger, sondern im zentralen Mittelfeld. Ganz schön retro.

Und ganz schön zahnlos. Die Bayern verspielten einen 2:0-Vorsprung, am Ende stand es 2:2. Zum dritten Mal binnen einer Woche konnten die Bayern nicht gewinnen, trotz Trainerwechsel. Mit Pech oder Zufall hat das wenig zu tun. Wir beleuchten die fünf größten Probleme der Bayern.

1. 2013 ist vorbei

So schön die Idee der Rückkehr zum alten 4-2-3-1 klingt: 2013 ist vorbei. In der ersten Halbzeit sah man, dass den Bayern das System zwar grundsätzlich liegt. Gerade die Laufwege in der Offensive passten. Defensiv war es nicht ganz so flüssig: Das Pressing setzte zu spät ein, die Bayern verteidigten mit der Zeit immer weniger kompakt. 

Allerdings sind die Spieler nicht mehr dieselben wie 2013. Es fehlt ein Spielgestalter vom Schlage eines Bastian Schweinsteigers, der das Mittelfeld überbrückt. Die Bayern müssen noch häufiger als früher den Weg über die Flügel suchen – und dort fehlt Robben und Ribery die Fortune, Angriffe wirklich zu Ende zu spielen. Auch David Alaba ist weit entfernt von der Form vergangener Tage. Seine Abstecher in die Offensive helfen dem Team nicht, seine offensive Position schadet viel eher. 2013 ist vorbei, eine Rückkehr zum alten System scheint nicht möglich.

2. Es fehlt ein Stratege

In der ersten Halbzeit war das Bayern-Spiel eine Mischung aus schnellen Angriffen und langen Ballstaffetten, aus frühem Pressing und tiefen Abwarten. Nicht immer war diese Mischung harmonisch. 

Besonders die Doppelsechs wirkte nicht immer perfekt abgestimmt. Javi Martinez postierte sich tief, Corentin Tolisso wich auf die Flügel aus und versuchte von hier aus den Aufbau zu unterstützen. Zu selten ging einer der Beiden nach vorne und unterstützte im offensiven Mittelfeld. Nach dem Karriereende von Xabi Alonso klafft eine große Lücke im zentralen Mittelfeld. Thiago kann diese nicht füllen, im Gegenteil: Seit Alonso weg ist, lässt er sich weiter zurückfallen, um das Spiel von hinten zu gestalten. Dadurch fehlt er allerdings am gegnerischen Strafraum.

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