Warum die Bayern auf Sevillas Wissam Ben Yedder achten sollten

Die Fans nennen ihn Benyebut

Mit 19 zeigt er seine Fähigkeiten schließlich auch auf dem großen Feld. Für den Viertligisten UJA Alfortville trifft Ben Yedder in 23 Spielen neun Mal. Es ist sein erster Ausflug in den Vereinsfußball, doch der reicht für ein Angebot vom FC Toulouse aus der Ligue 1. Nach anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten trifft er dort in 143 Ligaspielen 62 Mal. Die Fans rufen ihn »Benyebut«, quasi das französische Batigol. Im Sommer 2016 geht er für neun Millionen zum FC Sevilla.

»Ich denke, die spanische Liga ist perfekt für ihn, da er ein technisch versierter und offensiv eingestellter Spieler ist«, sagte Toulouse-Trainer Pascal Dupraz damals. Seine Prophezeiung sollte wahr werden: In 77 Spielen für Sevilla hat Ben Yedder 37 Mal getroffen.

Dass er so erfolgreich ist, liegt einerseits an seiner Effizienz, die er schon gegen United zeigte. »Seine Kaltschnäuzigkeit war entscheidend«, kommentierte Sevilla-Coach Vincenzo Montella nach dem Viertelfinaleinzug. In der Champions League trifft er alle 63 Minuten.

Andererseits liegt es an seinen Futsal-Wurzeln. »Im normalen Fußball sieht man Talent nicht so schnell wegen der Körperlichkeit«, sagte Barca-Legende Xavi Hernandez mal »fifa.com«. »Aber beim Futsal erkennt man die kleinen Details in der Qualität, der Klasse und dem taktischen Verständnis.«

»Etwas von Leo Messi«

Mit 1,70 Metern Körpergröße liegt Ben Yedders Körperschwerpunkt sowieso schon tief, im Futsal lernte er, ihn noch tiefer zu verlagern. Das hilft ihm bei seinen schnellen Drehungen und der unbedingten Ballkontrolle, die er schon mit dem First Touch ausübt. Trotzdem war er in dieser CL-Saison schon zwei Mal per Kopf erfolgreich.

Dazu kommen die anderen Futsal-Skills, das Gefühl für die richtige Entscheidung in hektischen Situationen, das Durchsetzungsvermögen auf kleinstem Raum und seine Abschlussstärke. Auch wenn sein Ex-Trainer Alain Casanova übertrieb, als er sagte: »Wissam besitzt einen hervorragenden letzten Pass sowie Abschluss und hat etwas von Leo Messi«, bleibt Ben Yedders Spielstil Futsal-typisch unkonventionell und dadurch so gefährlich.

»Der Fakt, dass er Futsal gespielt hat, gibt ihm eine andere Technik, einen tiefen Körperschwerpunkt«, bestätigt auch sein neuer Nationaltrainer Didier Dechamps. »Er ist technisch unglaublich geschickt.« Ben Yedder selbst sagt: »Es ist großartig, auf die Zeit zurückzublicken, als wir im Viertel gekickt haben.« Doch auch er gibt zu: »Nicht viele schaffen es. Es ist hart. Es gibt so viele Jungs, die leider keinen Erfolg haben.« 

Er selbst hingegen ist den Weg gegangen. Vom Käfig im Banlieu über die Futsalhalle und den Viertliga-Rasen in die Champions League und die Nationalmannschaft. Seine Wurzeln hat er dabei nicht vergessen. Das ist gut so. Denn ohne sie wäre er nicht der Stürmer, der er heute ist.