Warum die 3. Liga zum Millionengrab wird

Warum alle Spielerberater in Aalen anrufen

Der DFB versteht sich als Ratgeber der Drittligisten, und aus den Geschäftsstellen anderer Klubs ist zu vernehmen, dass die Vereine das auch so wahrnehmen. Doch nun wurde er zum Richter. Dem VfR Aalen wurden während der laufenden Saison neun Punkte abgezogen, diese Strafe ist dafür vorgesehen, wenn ein Klub in die Insolvenz geht. »Hätten wir die Saison ohne Insolvenzantrag zu Ende gespielt, hätte sich kein Punktabzug ergeben. Für die Folgesaison hätten wir aber keine Lizenz stemmen können«, erklärt Präsidiumssprecher Vogt. Stundenlang hatte er mit den Verbandsfunktionären darüber diskutiert. »Dass wir damals Insolvenz anmeldeten, haben die nicht verstanden. Wir hätten die Saison ja noch zu Ende spielen und dann Zahlungsunfähigkeit anmelden können. Das war für uns keine Option. Liegt ein Insolvenzgrund vor – hierzu zählt auch die drohende Zahlungsunfähigkeit in der Zukunft – gibt es keine Wahl«, sagt Vogt. »Dem DFB wäre es vielleicht lieber gewesen: Spielt durch und dann kommt der Cut.«

Es ist der Sinn des Insolvenzrechts, dass es die Fortführung eines Unternehmens vorsieht und so auch den VfR am Leben erhielt. Früher wurde ein insolventer Verein vom DFB automatisch zum Absteiger erklärt. Weil das dem öffentlichen Recht widerspricht, gibt es nun eine Punktestrafe. Aalen konnte diese letzte Saison sportlich noch ausgleichen. Die Mannschaft holte in den sechs Spielen nach dem Insolvenzantrag 13 Punkte und hielt die Klasse.

Spielerberater stehen Schlange

Nun besteht jedoch die Gefahr, dass der VfR Aalen damit zum Vorbild für andere Vereine wird. Schlimmstenfalls könnte es die Verantwortlichen dazu ermutigen, mehr Geld auszugeben, als sie besitzen. Im besten Fall schafft man es so in die zweite Bundesliga, wo die Fehlbeträge mit dem Fernsehgeld leicht wieder ausgeglichen werden können. Wenn auf eine Insolvenz lediglich der Abzug von neun Punkten folgt, und nicht wie früher der Zwangsabstieg, fehlt dem Verband sein härtestes Mittel.

»Sicher, die Insolvenz war nicht gerade das beste Ereignis meines Lebens«, sagt Geschäftsführer Hadek. Aber im Sommer rannten ihm die Spielerberater die Geschäftsstelle ein. Deren Logik war klar: Aalen begann nach der Insolvenz bei Null und hatte damit gegenüber den hochverschuldeten Klubs einen Vorteil. Bei den Schwaben würden in nächster Zeit ganz sicher die Gehälter bezahlt werden. Der auf einmal hochseriöse 
VfR konnte sich seine Spieler aussuchen.