Warum die 3. Liga nicht das Ende des 1. FC Kaiserslautern ist

Warum der FCK mehr als ein Verein für mich ist

Aus mir ist zwar nie die Art Fan geworden, die alle 14 Tage zum »Betze« pilgert, vielleicht sogar hin und wieder auf Auswärtsspiele mitfährt. Trotzdem bin ich mit der Pfalz im Herzen schon in die Fremde gereist. Habe mir 2012 als Animateur auf Lanzarote an meinem freien Samstag angeschaut, wie zwei Spiele vor Schluss die rechnerische Hoffnung auf den Verbleib in der Bundesliga erloschen ist.

Nur zehn Tage nach Saisonende, am 15. Mai 2012, ist mein Großvater verstorben und ich bin aus Spanien für seine Beerdigung nach Hause geflogen. Zum Zeitpunkt seines Todes war er bereits dement und hat vom Fußball nicht mehr viel mitgekriegt. »Kaiserslautern nicht gut«, konnte er in klaren Momenten trotzdem noch kopfschüttelnd hervorbringen. Fast so als hätte er geahnt, dass es mit seinen »Roten Teufeln« so schnell nicht mehr bergauf geht.

Drama, Baby, Drama

Ein Jahr später verschwand ich während meiner Abendschicht in einem Londoner Schnellimbiss wann immer es ging in die Küche, um auf meinem heimlich mitgebrachten Laptop zu verfolgen, wie der FCK sich in der Relegation gegen die haushoch überlegene TSG 1899 Hoffenheim vergeblich mühte.

Mittlerweile habe ich mir abgewöhnt, für den Fußball zu weinen. Auch am Wochenende habe ich nicht geweint, als der 1. FC Kaiserslautern in Bielefeld so abgestiegen ist, wie es im Grunde nur der FCK kann. Mit einer 3:2-Niederlage nach 2:0-Führung. Mit applaudierenden Fans im Gästeblock, die den Spielern in der schwersten Stunde ihrer Anhängerschaft Trost spenden. Drama konnten sie am Betzenberg schon immer.

Egal in welcher Liga

Ich weiß nicht, wie aufmerksam ich das Projekt Wiederaufstieg in der kommenden Spielzeit begleiten werde. Dieses Jahr habe ich nicht jedes Spiel sehen können und ehrlicherweise auch nicht immer sehen wollen. Nichtsdestotrotz hat da im Herbst 2004 in meiner Brust etwas Wurzeln geschlagen, das sich nicht verleugnen lässt. Der 1. FC Kaiserslautern hat mir keine Titel geschenkt. Aber was sind schon Titel?

Jedes Mal, wenn ich zum Spaßkick mit Kollegen noch mal das alte Lautern-Trikot aus dem Schrank hole. Jedes Mal, wenn ich dann doch einschalte und mich entgegen bester Vorsätze wieder fürchterlich aufrege, spannt dieser Verein ein rotes Band der Erinnerung zu einem Menschen, den ich sehr geliebt habe. Dafür werde ich immer dankbar sein. Egal in welcher Liga.