Warum die 2. Pokalrunde das wahre Highlight ist

Auf den kalten Sportplätzen der dritten Liga

Es liegt in der Natur der Sache, genauer, in der Natur des Kalenders, dass die zweite Pokalrunde immer im Herbst ansteht. Abends, unter der Woche, bestenfalls auf kalten Sportplätzen der dritten und vierten Liga. Wo das Flutlicht in vielen Fällen noch langsam angewärmt und hochgefahren werden muss. Und sich der Nebeltau über die mäßig abgekreideten Plätze legt. Manchmal findet man sogar Laub im Strafraum, scheinbar fürsorglich vom Platzwart verteilt.

Favoritensterben 

Genau genommen ist die zweite Runde gar nicht so anders als die erste Runde. Nur mit weniger - pardon – chancenlosen Vollamateuren, mit weniger warmen Temperaturen und mit dem Unterschied, dass in der zweiten Runde massenweise Favoriten sterben. Mit weniger Rührung. Mehr Ernst. Kurzgesagt: die zweite Runde ist die hässliche Schwester der ersten.

Im vergangenen Jahr traf es sieben Erstligisten. Vier von ihnen schieden gegen unterklassigere Vereine aus. Eine Saison zuvor traf es ebenfalls sieben Erstligisten, davon eliminierten sich in fünf Fällen die Bundesligisten gegenseitig. Hingegen schieden 2012/13 nur zwei Bundesligisten aus. Mit der einfachen Erklärung, dass Werder Bremen, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV (natürlich), TSG Hoffenheim und der 1. FC Nürnberg ihre Handtücher schon in der ersten Runde geschmissen hatten. 

Der Pathologe würde dieses Phänomen wohl Favoritensterben nennen.

Weg vom Hochglanzprodukt

Ansonsten lässt sich die Frage, weshalb die zweite Runde viel zu oft unter ferner liefen spielt, nicht mit Fakten, sondern nur mit Pathos begreifen. Es ist die Atmosphäre eines Dienstag- oder Mittwochabends. Das Aufeinandertreffen von David und Goliath, wobei deren Stärken nicht so weit auseinanderliegen, als dass der Ausgang schon vor Anpfiff geklärt wäre. Und das in einer Atmosphäre, die nicht weiter vom behutsam zum Hochglanzprodukt stilisierten DFB-Pokal-Wettbewerb entfernt liegen könnte.

Lässt sich etwa genau hier noch der ehrliche Fußball wiederfinden?

Immerhin: auch der zweite Star-Wars-Film ist im Vergleich kein Hochglanzprodukt. Viel Eis und Schlamm und Nebel. Erst beim mehrmaligen Hinsehen wird einem bewusst, dass genau an diesen Stellen die wesentlichen Charakterzüge der handelnden Personen abgesteckt werden.