Warum Deutschland schon bald ein Torwartproblem haben könnte

Kein Neuer

Deutschland ist eine Torhüternation - doch die hervorragende Ausbildung wird für die nächste Generation zum Problem. Denn hinter all den starken Keepern gibt es für den aktuellen Nachwuchs kaum Möglichkeiten, sich auf hohem Niveau zu beweisen.

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Leute, die Alexander Nübel bisher nicht kannten, haben am Freitag beim 6:1-Sieg der deutschen U- 21-Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan einen guten Eindruck von seinen fußballerischen Fähigkeiten erhalten. Der junge Schalker ist beidfüßig, er kann die Bälle mit dem linken Außenrist genauso fehlerfrei stoppen wie mit der rechten Innenseite; er spielt saubere Pässe von hinten heraus und ist auch im Dribbling stark. Einmal ging er im eigenen Fünfmeterraum in den Infight mit Ilkin Sadigow und löste die knifflige Situation souverän. Über die Fertigkeiten in seinem eigentlichen Ressort aber brachte der Abend leider wenige Erkenntnisse.

Alexander Nübel, seit einer Woche 21 Jahre alt, ist Torhüter der U 21. Und als solcher wurde er in Cottbus kaum gefordert. Das Gegentor fiel fünf Minuten vor dem Ende, nachdem Jonathan Tah als letzter Mann den Ball verloren hatte. Bis dahin hatte Nübel einen einzigen Schuss aufs Tor bekommen: einen harmlosen Roller genau auf Mann. Dazu versuchte er sich einmal im Luftkampf, griff aber - ohne schlimmere Folgen - am Ball vorbei. Nübel war später froh über diesen Fehler. Er habe lieber solche Aktionen dabei, »wo ich was mitnehmen kann«, als Spiele, in denen er gar nichts zu tun bekommt wie vor einem Monat bei seinem U-21-Debüt gegen Kosovo. Das hängt auch mit seiner sportlichen Situation bei Schalke 04 zusammen.

»Die einzige Möglichkeit, Spielpraxis zu sammeln«

Bis vor einem Jahrzehnt war die U 21 noch der Tüv-geprüfte Reparaturbetrieb des deutschen Profifußballs. In der U 21 - und zwar nur da - kamen die Talente aus der Ersten und Zweiten Liga zu den Einsätzen, die ihnen im Verein verwehrt blieben, weil ihre Plätze von den sogenannten mittelmäßigen Ausländern besetzt waren. So ist das jetzt auch wieder - bei den Torhütern. »Die U 21 ist perfekt für mich«, sagt Nübel. »Sie ist die einzige Möglichkeit, auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln zu können. Auf Schalke sitz’ ich im Moment immer nur auf der Bank.

Gegen Aserbaidschan standen in der Startelf EM-Teilnehmer (Tah), Confed- Cup-Sieger (Henrichs), Olympiamedaillengewinner (Klostermann), dazu Spieler mit Champions-League- (Dahoud) und Europa-League-Erfahrung (Ochs, Kehrer). Die potenziellen Torhüter aber - Alexander Nübel, Nils Körber (Preußen Münster), Moritz Nicolas (Borussia Mönchengladbach) und Svend Brodersen (St. Pauli) - kommen auf die geballte Erfahrung von einer Minute Bundesliga. Nübel ist am letzten Spieltag der Saison 2015/16 kurz vor Schluss für Ralf Fährmann eingewechselt worden. Er dachte zuerst an einen Scherz, als ihm sein Trainer mitteilte: »Alex, komm rein!«

Mehr Einsätze als Ballkontakte

Nübel hat jetzt mehr Bundesligaeinsätze (eins) als Ballkontakte (null). Trotzdem sei die Erfahrung überragend gewesen. »Bundesliga ist ein geiles Gefühl.« Es ist ein Gefühl, das ihm und seinen Altersgenossen bisher weitgehend verwehrt geblieben ist. Nils Körber, ausgeliehen von Hertha BSC, ist immerhin Stammtorhüter in der Dritten Liga. Nicolas und Brodersen spielen meist in der viertklassigen Regionalliga gegen Teams wie Westfalia Rhynern oder Eutin 08. »Wir müssen mit dieser Situation leben«, sagt U-21-Torwarttrainer Klaus Thomforde. »Wir haben ja noch zwei Jahre bis zum nächsten Turnier. Diese Zeit müssen wir den Jungs geben, damit sie sich entwickeln können.«

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