Warum der VfB Stuttgart nicht absteigen wird

Die Dusel-Schwaben

Ein geschenkter Elfmeter und späte Tore: Dreimal hat der VfB Stuttgart in den vergangenen Wochen viel Glück gehabt. Die abstiegsbedrohte Mannschaft von Bruno Labbadia hat sich den Dusel aber hart erarbeitet. Warum der VfB Stuttgart nicht absteigen wird
25. Spieltag, Stuttgart spielt gegen Schalke 04, es steht 0:0. In der 14. Minute versteht Benedikt Höwedes die Welt nicht mehr. Erst wird er im eigenen Strafraum geschubst, fällt hin. Ein Pfiff ertönt. Der Schiedsrichter gibt aber nicht Freistoß für Königsblau, sondern Elfmeter für Stuttgart, weil dem bedauernswerten Schalker am Boden liegend der Ball an die Hand geprallt war. Den Platzverweis gibt es gratis dazu. Zdravko Kuzmanovic vewandelt den Elfmeter, Stuttgart gewinnt 1:0 und klettert erstmals seit dem 15. Spieltag auf Relegationsrang 16. Dusel?

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26. Spieltag, der VfB Stuttgart ist beim FC St. Pauli zu Gast. In der 88. Minute steht es 1:1. Dann läuft der fünf Minuten zuvor eingewechselte Sven Schipplock durchs Mittelfeld, wird nicht angegriffen und zieht aus 17 Metern einfach mal ab. Der Ball schlägt im linken Eck ein. Schipplocks erstes Bundesliga-Tor. Und der VfB Stuttgart steht jetzt auf Platz 13. Dusel?

Der 27. Spieltag. Stuttgart liegt gegen Magaths Wolfsburger kurz vor dem Abpfiff mit 0:1 zurück. Dann offenbart der kantige Innenverteidiger Georg Niedermeier in der 94. Minute ungeahnte Qualitäten, pflückt eine Flanke in bester Stürmer-Manier mit der Fußspitze aus der Luft und trifft zum 1:1. Maskottchen Fritzle feiert mit den Spielern. »Der VfB badet im Glück«, texten die »Stuttgarter Nachrichten«. Und haben Recht. Die sieben Punkte, die der VfB an den vergangenen vier Spieltagen gesammelt durch die glücklichen Fügungen extra gesammelt hat, halten die Hoffnung an den Klassenerhalt am Leben. Ohne Zähler läge Stuttgart auf Rang 17. Im Abstiegskampf der Saison 2010/11 muss sich die Konkurrenz scheinbar an einen neuen Gegner gewöhnen: Die Dusel-Stuttgarter.

Friss oder stirb – VfB-Trainer Bruno Labbadia im Interview

Natürlich ist es nicht nur Glück, das den VfB Stuttgart dieser Tage auszeichnet. Denn das kommt bekanntlich zur zum Tüchtigen. Der Anführer der Tüchtigen ist Trainer Bruno Labbadia, seit dessen Amtsantritt im Dezember 2010 sich eine Menge verändert hat. Fast der kompletter Trainerstab ist neu: Der frühere Co Jürgen Kramny trainiert jetzt die A-Jugend, Teambetreuer Jochen Rücker ist genauso weg wie Fitnesstrainer Christian Kolodziej. Dafür brachte Labbadia seinen Vertrauten Eddy Sözer als Assistenten mit, der frühere Schalker Christos Papadopoulos kam als Nachfolger von Kolodziej. Der neue Coach lässt in den Wochen vor Punktspielen sieben Mal in der Woche trainieren, häufig länger als zwei Stunden pro Einheit. Unter Christian Gross waren es manchmal nur fünf Einheiten. Das meint Labbadia wohl, wenn er sagt, der VfB hätte sich das Glück »hart erarbeitet«. 

Dann hält auch ein Torwart überragend, der eigentlich schon zur Nummer zwei degradiert worden war und nur den Kasten hütet, weil die neue Eins sich verletzt hat. Gegen Wolfsburg hielt Sven Ulreich den VfB bis auf das Gegentor durch Grafite so lange im Spiel, bis Kollege Niedermeier das 1:1 erzielte. Und der traf auch nur, weil Christian Träsch in der 85. Minute den Geistesblitz hatte, ihn ganz nach vorne zu schicken. Von Labbadia kam nur die Anweisung, hinten auf Dreierkette umzustellen. Auf einmal klappt alles. Wem das Glück so hold ist, steigt nicht aus der 1. Bundesliga ab.

Wie übersteht man den Abstiegskampf, Ata Lameck?

Wenn denn nur die Saison nicht so verrückt wäre. St. Pauli und Frankfurt schienen schon gerettet und stehen jetzt ganz unten. Vergangene Saison genügten dem 1. FC Nürnberg 31 Punkte, um über den Umweg Relegation den Klassenerhalt zu schaffen. Kaum vorstellbar, dass das in dieser Spielzeit reicht: St. Pauli steht nach 27 Spielen mit 28 Punkten auf Rang 16. Bis zu Schalke auf Platz zehn sind es nur fünf Punkte, und an jedem Spieltag gibt es direkte Duelle, die das Tableau durcheinanderwirbeln können. Der VfB Stuttgart fährt am kommenden Spieltag nach Bremen, empfängt dann Kaiserslautern und muss in der Woche drauf zum 1. FC Köln. Das sind die »Wochen der Entscheidung«, von der Bundesliga-Trainer immer so gerne sprechen.

Der VfB Stuttgart hat dabei allerdings einen entscheidenden Vorteil: Mit so viel Dusel kann eigentlich nichts passieren.