Warum der Supercup plötzlich großartig ist

Auf zum Double

Den Supercup hielt unser Autor jahrelang für eine Witz-Veranstaltung. Nun ist sein Verein plötzlich dabei. Und der Supercup ganz großartig. 

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Die Fußballkneipe, in der ich während meines Studiums sehr viele Samstage verbrachte, war der Himmel. Diesige Luft, Koteletts aus dem vorigen Jahrtausend für zwei Euro, Bier aus fleckigen Gläsern und vom Leben gegerbte Thekenmenschen, die grunzend über das Spiel fachsimpelten. Man konnte in diese Kneipe gehen und nach einigen wenigen Schlucken ernsthaft damit liebäugeln, sie erst in 40 Jahren wieder zu verlassen.

Einzig die Deko störte ein wenig. Rund um den holzvertäfelten Tresen hingen Wappen von jedem Bundesligisten. Jener von Eintracht Frankfurt, meines Herzensvereins, muss ein seltener Flohmarktfund des Besitzers gewesen sein, denn während sämtliche andere Wimpel die Erfolge des jeweiligen Klubs minutiös auflisteten, stand bei der Eintracht in großen, unangebracht stolzen Lettern »Fuji-Cup-Sieger 1992«.

In etwa so viel wert wie das Hallenmasters

Es gibt sicherlich Schlimmeres als den mittlerweile eingestampften Fuji-Cup zu gewinnen, erst gestern erzählte mir ein Kollege vom »Allgäuer-Latschenkiefer-Cup«, an dem ein tief gefallener 1. FC Kaiserslautern einst teilnehmen musste. Aber ein Titel zum stolz vor sich hertragen war der Fuji-Cup auch nicht unbedingt, eher empfand ich den Wimpel als konstante Erinnerung daran, dass mein Verein ja eh nie einen echten Titel holen würde, was mir das Geholze auf der Leinwand dann eindrücklich bestätigte. Der Fuji-Cup, er war in etwa so viel wert wie das Hallenmasters oder der Ligapokal.

Den Ligapokal, der zuvor und auch danach wieder Supercup hieß, meinte ich mit ein paar Freunden sogar einmal live zu sehen, auf Schalke, und das Geschehen auf dem Rasen war so egal, dass wir die Zeit damit verbrachten, uns derart daneben zu benehmen, dass sich der einzige Schalker in unserer Gruppe von uns wegsetzte. Erst viel später, genauer gesagt: gerade eben beim Schreiben, erfuhr ich, dass es sich damals gar nicht um den Ligapokal sondern um den Telekom-Cup handelte, was recht viel über die Wertigkeit sagt, die ich derlei Saison-Vorgeplänkel beimesse. Das war eigentlich immer so und hat sich, sehr zu meiner Überraschung, in den letzten Wochen geändert.