Warum der Sonderzug der beste Weg ist, zum Auswärtsspiel zu kommen

Ankunft: Pünktlich zur zweiten Halbzeit

In Zügen gibt es Toiletten genug und mindestens drei von fünf Kabinen sind auch gefahrlos erreichbar, ohne dass man sich von der wüst liternden Komakolonne in Waggon sieben als Blasenschwächling verhöhnen lassen muss („Er schon wieder!“). Allerdings empfiehlt sich ein früher Besuch, denn mit steigendem Alkoholpegel verbarrikadieren sich gerne mal alte Haudegen auf der Toilette und reagieren auf drängendes Klopfen nur damit, dass sie ihre üppig tätowierte Faust kurz zum Türspalt herausstrecken. Ähem, keine weiteren Fragen.

Nur hin und wieder kommt es zu bedauerlichen Versehen, wie dem Missgeschick eines angetrunkenen Hamburger Anhängers, der auf die Toilette marschierte, anschließend allerdings etwas verwundert über das Interieur der Nasszelle war. Kein Wunder, er hatte irrtümlich die Schaffnerkabine aufgesucht. Zu den Ritualen jeder Zugfahrt gehört anschließend, dass bei sämtlichen durchfahrenen Provinzbahnhöfen hektisch die Fenster heruntergerissen werden und mit geballten Fäusten herausgeblökt wird, wer im deutschen Fußball die Macht ist. 

Notbremse nur in Notfällen?

Was die Rentner, die auf dem Bahnhof von Bückeburg auf den Regionalexpress nach Haste warten, allenfalls dazu bringt, noch ein wenig entschlossener den Einkaufstrolley zu umklammern. Besonders clevere Anhänger wuchten auch noch ihre Fahnen meterweit aus dem Fenster und wundern sich, dass diese bereits nach wenigen Augenblicken vom nächsten Strommast zu Zündhölzern verarbeitet werden.

Kurz vor der Ankunft im Zielbahnhof meldet sich dann der schon schwer genervte Zugführer mit dem Hinweis, dass man in wenigen Minuten ankommen werde. Was aber nicht stimmen kann, weil diese Durchsage traditionell ein Signal für volltrunkene Anhänger ist, auf dem kürzesten Weg zur nächsten Notbremse zu torkeln und stolz ein paar kräftige Klimmzüge zu präsentieren. Etwa eine Stunde später haben Bahnmitarbeiter dann endlich mit schwerem Gerät die Radbremse wieder gelöst, und die Fahrt kann weitergehen. Die Passagiere sind dann pünktlich im Stadion – zum Anpfiff der zweiten Halbzeit.  

Keiner ist erblindet

Die Rückfahrt verläuft in der Regel ereignislos und melancholisch. Bei der Durchfahrt durch Bückeburg bleiben die Fenster zu, auch weil angesichts einer 0:3-Auswärtsklatsche die Argumente für allzu optimistische Verlautbarungen fehlen. Der Sprit ist auch längst alle, gottlob ist keiner erblindet.

Bei der Einfahrt in den Heimatbahnhof wacht dann auch der Hooligan in der Gepäckablage auf und fragt, wie es ausgegangen ist. So eine Zugfahrt ist eben ein richtiges Abenteuer. 

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