Warum in der Serie D ein Präsident jetzt Trainer ist

Alles muss man selber machen

Wenn es bei einer Mannschaft nicht läuft - wird der Trainer entlassen. Doch oft wird kein passender Nachfolger gefunden, weshalb in der vierten italienischen Liga jetzt einer zwei Jobs hat.

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Die Ansprüche im bezahlten Fußball steigen stetig an. Bei einem Verein sind sie höher, beim anderen niedriger. Mit den Ansprüchen steigt auch der Druck auf die Mannschaft und damit besonders auf deren Trainer. Denn der Trainer, irgendwer muss ja den Kopf hinhalten, ist verantwortlich für die Siege - und vor allem für die Niederlagen.

Nach zehn Spieltagen wurden in der aktuellen Bundesligasaison bereits drei Trainer freigestellt. Davon hatte einer fünf Punkte nach zehn Spielen, ein anderer 14 Punkte nach sieben Spielen auf dem Konto. Die Ansprüche sind verschieden, doch die Konsequenz am Ende ist dieselbe: Der Trainer muss gehen - ein neuer muss her. Doch wo findet man jemand geeigneten, der alles besser macht?

Nicht immer steht der Wunsch-Trainer gleich zur Verfügung, weshalb während der laufenden Saison oft Interimstrainer eingestellt werden. Doch die Suche nach einem passenden Kandidaten gestaltet sich auch gar nicht so einfach. Es geht nicht nur um die Kompetenz als Fußballlehrer, sondern besonders auch um die die Beziehung zu den Verantwortlichen. So kommt es beispielsweise zu Entlassungen trotz sportlicher Erfolge, siehe Thomas Tuchel und Carlo Ancelotti.

Präsident wird Trainer

Sporting Fulgor Molfetta aus der italienischen Serie D ist hier zu Lande eher unbekannt. Der Klub, der im Südosten Italiens in der Provinz Bari zuhause ist, spielt bisher eine ziemlich durchwachsene Saison. Mit den letzten Vorstellungen der Mannschaft war der Präsident alles andere als zufrieden. Die logische Konsequenz: Trainer Guiseppe Lo Polito musste bereits nach sieben Spielen gehen. Der Viertligist stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz 14, mit fünf Punkten.

Mauro Lanza ist ein viel beschäftigter Mann. Er ist nicht nur der Präsident von Fulgor Molfetta, sondern auch noch Besitzer einer Tankstelle. Um sich den Stress der Trainersuche und mögliche Unstimmigkeiten zu ersparen, hat er sich kurzerhand selbst zum Chefcoach ernannt. In Italien wird Lanza für diese Aktion erstmal nur belächelt.

Insbesondere über seine ungewöhnlichen Trainingsmethoden wird heiß diskutiert. Anscheinend soll Lanza das Training mit einem Lautsprecher kommentieren und die Spieler Bälle an eine Wand schießen lassen, so hart sie nur können. Skurril, doch seine Arbeit trägt bereits erste Früchte: Zwei Spiele - vier Punkte, Platz zehn. In der italienischen Presse wurde der umstrittene Lanza daraufhin sogar als »Talisman« bezeichnet. Sollte der Klub weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben, muss der Präsident allerdings doch nach einem neuen Trainer Ausschau halten, denn ab der Serie B benötigt jeder hauptamtliche Coach eine spezielle Trainerlizenz. Ob Mauro Lanza diese dann auch noch macht? Zuzutrauen ist es ihm definitiv.