Warum der Regionalligist die Bayern schlagen kann

I'm a Asseler, Homey

Die SV Drochtersen/Assel ist gegen den FC Bayern der größte Underdog in der ersten Pokalrunde. Doch es gibt Gründe, an eine Pokalsensation zu glauben.

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Vor zwei Jahren war die SV Drochtersen/Assel schon einmal nah dran an der Pokal-Sensation. Damals kam Borussia Mönchengladbach in die 12.000 Einwohner Gemeinde an der niedersächsischen Elbe. Erst Mitte der zweiten Halbzeit schoss der Bundesligist das einzige Tor des Spiels. Kurz vor Schluss flog noch einmal ein langer Ball in den Strafraum der Gladbacher. Torwart Tobias Sippel klärte im letzten Moment vor Kevin Krottke und Drochtersen/Assel schied in der ersten Runde aus. Jetzt geht es gegen den FC Bayern und vieles spricht dafür, dass es mit dem Weiterkommen diesmal klappt. Na gut, nicht vieles, aber zumindest etwas.

Denn der Regionalligist hat aus dem Spiel gegen Gladbach gelernt, sagt Präsident und Mäzen Rigo Gooßen, der zumindest in Sachen Strafregister mit seinem Counterpart bei den großen Bayern mithalten kann. Der Steuerberater hatte im Jahr 2013 – im gleichen Jahr wie Uli Hoeneß - eine Selbstanzeige gestellt. Bei Gooßen ging es dabei um nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge. Eine Geldstrafe in sechsstelliger Höhe war die Folge. »Wir haben aus dem Pokalspiel gegen Gladbach zum einen gelernt, dass wir den Ligaalltag nicht vernachlässigen dürfen – der 3:2-Sieg am Wochenende war schon mal ein gutes Zeichen. Zum anderen haben wir schon einen Masterplan, was das Stadion angeht«, so Gooßen

7.500 Zuschauer und ein paar Kühe

Denn der Verein hat sich dagegen entschieden, das größte Spiel der Vereinsgeschichte im 50 Kilometer entfernten Stadion am Millerntor auszutragen. Vom Regionalligisten eine Entscheidung gegen das Geld und für die Fans, die das Spiel gerne in ihrer Heimat sehen wollen. Also wird die Kapazität des Kehdinger Stadions, in das eigentlich nur 3.000 Zuschauer passen, durch eine Tribüne mehr als verdoppelt. Für die Bayern ein ungewohntes Umfeld. In die Allianz Arena passen mehr als das Sechsfache der Einwohnerzahl Drochtersens.

Franck Ribery, Manuel Neuer und Robert Lewandowski werden also vor 7.500 Fans und ein paar Kühen auf dem angrenzenden Acker versuchen, die Pokalblamage zu vermeiden. »Unsere Spieler diskutieren schon die ganze Zeit miteinander, wer der Beste von denen ist. Jeder hat seinen Wunschgegenspieler. Ich freue mich vor allen Dingen auf Niko Kovac«, sagt Gooßen. Es sei etwas sehr Besonderes, dass der neue Bayerntrainer sein zweites Pflichtspiel beim SV Drochtersen/Assel bestreitet. Der Präsident hat allerdings nur wenig Hoffnung, dass das für Kovac mit einer Niederlage endet: »Ich habe das 5:0 gegen Frankfurt gesehen. Mir wird Angst und Bange, wenn ich daran denke, was auf uns zukommt. Sportlich ist das ehrlich gesagt nicht lösbar.«