Warum der Protest der Eintracht-Fans so wichtig war

Das Symbol

Beim Montagsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig kommt es zu massiven Protesten. Die dringend notwendig waren, denn: Es reicht. 

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Mit die schönsten Momente bei den Heimspielen der Eintracht im Frankfurter Waldstadion sind die Minuten unmittelbar vor Anpfiff. Zunächst wird die Hymne »Im Herzen von Europa« gespielt, anschließend schallt zum Einlauf der Mannschaft »Sirius« von »Alan Parsons Project«, das dann nahtlos in Tankards »Schwarz-weiß wie Schnee« übergeht. Eigentlich. Am Montag mussten die Fans auf dieses Ritual verzichten. Denn aus den Boxen klang »I don’t like Mondays« von den Boomtown Rats. Song und Band haben mit der Eintracht in etwa so viel zu tun wie Lederhosen und Bier aus Maßkrügen. 

Ein passenderes Lied hätte die Stadionregie dennoch nicht auswählen können, »I don’t like Mondays« wurde zum passenden Soundtrack für das, was die Frankfurter Fans anschließend 90 Minuten lang zelebrierten: Friedlichen, kreativen Protest, mit tausenden Trillerpfeifen, Tennisbällen und zahlreichen, zum Großteil witzigen Protestbannern. Ein Protest, über den heute im ganzen Land und auch darüber hinaus gesprochen wird. 

Ist das noch der Bundesligafußball von vor zehn, zwanzig Jahren?

Und das ist gut so. Denn mit Verschiebungen der Norm ist es ja oft so: Sie treten eher nach und nach ein, bis sich das große Ganze plötzlich stark verändert hat. Gestern waren das in Summe: Ein Montagsspiel, gegen einen Red-Bull-Klub, der die 50+1-Regel umgeht, und in dem ganz selbstverständlich der Videoschiedsrichter eingreift. Jedes für sich schon eine tiefgreifende Veränderung des Fußballs und/oder seiner Kultur. Und in der Summe? Ist das noch der Bundesligafußball von vor zehn, zwanzig Jahren?

Niemand glaubt, dass fünf Montagsspiele pro Saison das Ende des Fußballs sind. Ebenso wie nicht jede Neuer- oder Änderung per se schlecht ist. Aber möglicherweise sind die Montagsspiele eben jener Tropfen, der das Fass einfach zum Überlaufen bringt. Ein Symbol für all die Eingriffe und Veränderungen, die die Fans über sich und ihre Leidenschaft in den letzten Jahren haben ergehen lassen müssen. Und ein Symbol, das sich perfekt eignet, um mit vereinter Stimme zu sagen: Es reicht. Noch fünf, sechs Änderungen dieser Art in den nächsten zehn Jahren, und 2029 wird das Playoff-Finale der Deutschen Meisterschaft powered by Coca Cola in Shanghai ausgetragen, zwischen Red Bull Leipzig und BASF Ludwigshafen. 

»Das müssen wir ernst nehmen«

Höchstwahrscheinlich (und glücklicherweise) wird das nicht passieren. Aber die Richtung ist doch klar: Chinas U20 in der Regionalliga, die Diskussion um 50+1, Montagsspiele – Verbände und Fans haben oft eine eklatant unterschiedliche Vorstellung, wie der Fußball auszusehen hat und was ihm gut tut. Da die Verbände am längeren Hebel sitzen, bleibt den Fans: Protest. Und wenn dieser auch noch kreativ, friedlich und witzig passiert, wie am Montag in Frankfurt, kann er tatsächlich Gehör finden. 

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, der die Proteste der Fans, auch ihr Eindringen in den Innenraum, im Sinne der Deeskalation übrigens richtigerweise zuließ, sagte nach der Partie: »Man hat gesehen, dass die gesamte Fanszene ein starkes Statement abgegeben hat. Das müssen wir ernst nehmen.« Man kann nur hoffen, dass DFB und DFL das ähnlich sehen.