Warum der portugiesische Betrugsskandal in Portugal niemanden interessiert

Heult leise

In Portugal entspinnt rund um Benfica Lissabon ein Betrugsskandal. Es geht um Schiedsrichterbestechung und Korruption, der FC Porto, einst selber des Betrugs überführt, wetzt die Messer. Doch der Aufschrei bleibt aus.

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Benfica Lissabon hat mit der ganzen Sache ü-b-e-r-h-a-u-p-t nichts zu tun. Also wirklich! Gar! Nichts! Wenn dann sind sie die Opfer – von Datenklau und Fälschung. Sagt der Verein. Und trotzdem fühlte sich Benficas Pressesprecher letzte Woche dazu bemüßigt, genau das öffentlich zu erklären.

Süße Rache

Die Vorwürfe der Korruption gegen Benfica kommen ausgerechnet vom Rivalen aus Porto, deren Bestechungen vor fast genau 10 Jahre öffentlich wurden. In der Saison 2003/2004 hatte Porto-Präsident Jorge Nuno Pinto da Costa in zwei Spielen nachweislich Schiedsrichter bestochen.

Als schließlich die Telefonate der Betroffenen nachträglich auf YouTube veröffentlich wurden, vermuteten viele Benfica dahinter. Viele Portugiesen glauben deshalb, dass der FC Porto es dem Konkurrenten nun heimzahlen will.

Fakt oder Fälschung

Die aktuelle »Aufregung« basiert dabei ebenfalls auf geleaktem Material, kurioserweise ausgerechnet präsentiert vom Pressesprecher des FC Porto. Es geht vor allem um eine Mail zwischen dem Ex-Schiedsrichter Adão Mendes und dem TV-Kommentator und Programmdirektor von Benfica TV, Pedro Guerra.

Ermittlungen zu möglichen Spielverschiebung laufen bereist. Benfica seinerseits will gegen Piraterie und Fälschung klagen. Die beiden Betroffenen sind vom Verein offiziell unabhängig, ihre Mail aus dem Jahr 2014 könnte aber auf Schiedsrichterbestechung und Bevorteilung hindeuten.