Warum der AS Monaco in Belgien den Aufstieg feiert

Geld sticht Identität

Cercle Brügge ist ein stolzer Traditionsverein, der drei Mal belgischer Meister wurde. Doch 2014/2015 ging es runter in die Zweitklassigkeit. Nun ist Brügge zurück in der Beletage — was besonders beim AS Monaco für Jubelstürme sorgt.

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15. März 2015. Am letzten Spieltag der Saison stand es zwischen Cercle Brügge und dem KV Mechelen 2:0 für die abstiegsbedrohten Brügger. Nur noch drei Minuten waren zu gehen, Cercle war nah dran den Klassenerhalt gerade noch so schaffen. Doch dann passierte es: Innerhalb von 180 Sekunden drehte Mechelen tatsächlich die Partie, fuhr mit einem 3:2-Sieg nach Hause und sorgte für die Stunde Null in Brügge. Nach zwölf Jahren stand fest: Es ging in die Zweitklassigkeit. Der direkte Wiederaufstieg wurde klar verpasst, finanzielle Probleme kamen hinzu und bedrohten die Existenz des Vereins. Im zweiten Jahr drohte sogar der Fall in die dritte Liga. Bis sich Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew meldet.


Der russische Multimilliardär gehört nicht nur zu den 100 reichsten Personen der Welt, er übernahm 2011 auch 67 Prozent des ruhmreichen, aber gerade in die zweite Liga abgestiegenen AS Monaco. Unter seiner Herrschaft fand Monaco zu alter Stärke zurück, investierte kräftig in internationale Top-Stars wie Falcao und feierte in der vergangenen Saison die französische Meisterschaft. Doch wohin mit den jungen Talenten, die nicht die Klasse eines Kylian Mbappés besitzen? Die zweite Mannschaft Monacos spielt lediglich viertklassig. Hier kommt Cercle Brügge ins Spiel.

»Wir haben in fünf Ländern sondiert und uns schließlich für Brügge entschieden. Ihr Projekt erschien uns als das beste, nicht zuletzt aufgrund der Geschichte und der Philosophie des Vereins«. Diese Sätze sprach Filips Dhondt, seines Zeichen General Manager von Monaco am 15. Februar 2017, dem Tag der Übernahme. Einem Verein gehört ein anderer Verein und Brügges Präsident Frans Schotte klatschte verbal eifrig Beifall: »Wir heißen Monaco mit großer Dankbarkeit und viel Vertrauen willkommen.«
Über die finanziellen Umstände des Geschäfts wurde branchenüblich Stillschweigen vereinbart. Forscher wurden die sportlichen Ziele herausposaunt: Schnellstmöglicher Wiederaufstieg, für den der Klub aus dem Fürstentum fünf Millionen Euro investieren wolle. Eher sekundär kommt dabei die eigentliche Intention Monacos daher — Spielpraxis für die vereinseigenen Talente. Die Übernahme veränderte Cercle von grundauf, auch wenn dies in Brügge niemand so recht zugeben mag. Immer wieder pochen die Verantwortlichen darauf, dass der Verein eigenständig sei. »Ich kann versichern: Die Individualität von Cercle Brügge wird voll respektiert«, betonte Cercle-Chef Schotte. Es wurde festgehalten, dass der Klub weiterhin in Brügge verankert bleibe und dass die Jugendarbeit ausgebaut werden soll, um eigene Talente an die Profimannschaft heranzuführen. Auch die Vereinsfarben in grün und schwarz sollten unangetastet bleiben.