Warum der lockerste Schiedsrichter der Welt wahrscheinlich Engländer ist

Gelber wird's nicht

FA-Cup-Quali, erste Runde, Horsham FC gegen Ashford United - ein Spiel so spektakulär wie der Schriftverkehr zwischen Philipp Lahm und dessen Twitter-Agentur. Wäre da nicht die Sache mit den etwas zu ähnlichen Trikots gewesen. Und der Schiri der Partie, Jim Paterson.

David Beddow @theballisround bei Twitter

Mit Schiedsrichtern im Amateurbereich verhält es sich wie mit Gruppenarbeiten in Seminarkursen: Man weiß vorher nicht, wen man erwischt - aber im Zweifelsfall ist es am Ende immer der Falsche. Etwa der penible Erbsenzähler, der vor Spielbeginn mit Millimetermaß die Nockenlänge (auch bei Kunstrasenschuhen, auch bei Bankspielern) überprüft und der auch in der Kreisliga D nicht anpfeift, bevor nicht zwei regelkonforme Coaching-Zonen mit Hütchen abgesteckt wurden - selbst wenn beide Trainer ob karrierebedingter Hinkebeine theoretisch gar nicht dazu in der Lage wären, den Bereich vor der Bank zu verlassen. Oder der etwas übergewichtige Aggressivling mit der extra kurzen Lunte, der am Sonntagmorgen nur darauf wartet, jeden noch so unabsichtlichen Rempler trotteliger B-Jugendspieler mit einem ordentlichen Anschiss zu rüffeln.

Wer, im Seminarkurs wie im Schiedsrichterwesen, dagegen viel zu selten vorkommt, ist der richtig lockere Typ. Der Typ, der ruhig mal laufen lässt und der sich selbst nicht zu wichtig nimmt. Jemand, mit dem sich reden lässt, sei es, weil sich mal wieder kein Betreuer findet, der ihn fahnewinkend am Spielfeldrand unterstützt oder sei es, weil die Duschen in der Schiedsrichterkabine auch das dritte Jahr in Folge nicht warm werden.

Jim Paterson drückt gerne ein Auge zu

Umso schöner, dass genau so ein lockerer Typ am Wochenende seinen Weg zum Sportplatz von Horsham FC im Süden Londons fand, um dort das FA-Cup-Qualifikationsspiel zwischen den achtklassigen Teams aus Horsham und Ashford zu pfeifen. Denn, so viel ist seit Samstag klar: Jim Paterson drückt gerne mal ein Auge zu. Spätestens, als die Mannschaften das Spielfeld betraten, hätten andere Schiedsrichter sich - in dem Fall ja sogar zurecht - aufgeplustert. Das Problem: Beide Teams trugen komplett gelbe Trikots. Horsham in Kombination mit grüner Hose und gelben Stutzen, Ashford mit gelber Hose und schwarzen Stutzen. Insgesamt also? Viel zu viel gelb. 

Zur Verteidigung der Zeugwarte sei gesagt: Die Teams trafen zum ersten Mal aufeinander. Doch normalerweise schützt Unwissenheit vor Strafe nicht und normalerweise hätte der Schiedsrichter der Heimmannschaft schon vor Anpfiff die Laune verdorben - in Form von aufgezwungenen Leibchen, die dann aus irgendeiner stinkenden Tüte aus dem Geräteschuppen hätten gekramt werden müssen und die - so sicher sind wenige Dinge auf dieser Welt - zuletzt gewaschen wurden, als sich in Fußbällen noch Restspuren von Leder finden ließen.

243 zahlende Zuschauer blickten durch

Doch Paterson wollte der Heimmannschaft nicht die Laune verderben - und ließ die Teams einfach beide in gelb spielen. Womit Horsham deutlich besser zurecht kam. Die Truppe fegte Ashford mit 6:0 vom Platz und zog mit dem Sieg in die zweite Qualifikationsrunde des ältesten Fußballturniers der Welt ein.

Und auch die Zuschauer gewöhnten sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an die farblichen Gegebenheiten - was den 243 zahlenden Gästen allerdings auch durch die besonderen Regeln des Turniers erleichtert wurde: Im FA Cup - selbst wenn es sich nur um die erste Qualifikationsrunde zwischen zwei achtklassigen Mannschaften handelt -  ist Alkohol am Spielfeldrand strengstens verboten. Wobei Jim Paterson, dieser Filou des modernen Fußballs, vielleicht auch in dieser Angelenheit ein Auge zugedrückt hätte. 

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