Warum der krebskranker Sheffield-Fan den Mount Everest bestieg

»Ich habe noch nicht aufgegeben«

Vergangene Woche berichteten wir über Ian Toothill. Trotz Krebs stieg der Sheffield-Wednesday-Fan auf den Mount Everest und hisste dort die Flagge des Stadtrivalen. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam und wie es ihm gerade geht.

Twitter / @IanToothill

Ian Toothill, Sie haben es bis auf den Gipfel des Mount Everests geschafft. Was kam Ihnen dort oben zuerst in den Kopf?

Gott sei Dank, es ist vorbei! Die meisten Leute denken vermutlich, es ist Begeisterung. Ich dachte auch, dass ich singen und tanzen würde. Aber es war so eine lange Reise und auf dem Gipfel konnte ich kaum 40 Meter weit sehen.

Es sah tatsächlich sehr bewölkt aus.

Ja, ich hatte diesen wunderbaren Blick erwartet und bekam ihn leider nicht. Im Hinterkopf wusste ich, was ich erreicht habe und ich wusste auch, dass ich wieder runter muss, weil ein Sturm aufzog. Also war ich einfach sehr dankbar. Ich machte ein paar Fotos und hatte zwei bis drei ruhige Minuten für mich.

Sie zogen für die Bilder auf dem Gipfel eine Fahne von Sheffield United hervor, obwohl sie Sheffield-Wednesday-Fan sind. Warum?

Ich sammelte bei diesem Trip Geld für eine Organisation, die an Krebs erkrankte Menschen unterstützt. Ein Freund schrieb mir zu Beginn der Fundraising-Kampagne und fragte mich nach der Seite, unter der er spenden kann. Ich schrieb ihm zurück und sagte: »Wenn du 1000 Pfund spendest, nehme ich eine Sheffield-United-Fahne mit auf den Gipfel« – das war nur ein Spaß. Aber zwei Minuten später schickte er mir einen Screenshot mit der Überweisung. Die 1000 Pfund waren im Pott. Ich hätte nie gedacht, dass er das wirklich macht. Das war eine sehr schöne Geste, aber so musste ich eben die United-Fahne mitnehmen.

Leider gibt es zu Ihrer Everest-Geschichte einen traurigen Hintergrund. Ärzte stellten bei Ihnen im Juni 2015 Darmkrebs fest. Sie sagten zu Ihnen, dass Sie vielleicht noch vier Monate, maximal zwei Jahre zu leben haben. Was dachten Sie in diesem Moment?

Es wurden schon Monate vor der Diagnose Tests gemacht. Ich wusste also, dass irgendetwas nicht stimmt. Aber das bereitet einen trotzdem nicht darauf vor, mit einem Doktor in einem Raum zu sitzen, der dir dann sagt, dass du nur noch vier Monate zu leben hast. Aus dem Nichts. Dabei bin ich die gesündeste Person, die es gibt.

Sie sind Personal-Trainer.

Genau. Das lustige daran ist, dass ich gerade in den letzten drei Jahren damit begonnen habe, mich sehr gesund zu ernähren. Meine Freunde waren genau so geschockt wie ich. Du bist in einem Gespräch, du hörst zu, aber während der Arzt spricht denkst du: »Das kann nicht wahr sein, die müssen den Falschen haben. Es muss jemand anderes sein«.