Warum der Kovac-Wechsel so weh tut

Die Enttäuschung

Als Fußballfan leidet man ja sowieso ständig. Für die Fans von Eintracht Frankfurt ist der Weggang von Niko Kovac aber besonders bitter. 

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Leidenschaft, um mal eine Floskel zu bemühen, beinhaltet nicht umsonst das Wort »Leiden«. Und wer wüsste das besser als Fußballfans? Insbesondere jene, die ihr Herz an einen Klub wie Eintracht Frankfurt verloren haben.

Anfang der Neunziger war die Eintracht ein Spitzenklub und schrammte haarscharf an der Meisterschaft vorbei. Jupp Heynckes kam und warf die besten Spieler raus, der Klub stieg ab, zu einer Zeit, in der sich der Fußball finanziell entscheidend entwickelte, wodurch die Eintracht den Anschluss an jene Klubs verlor, die eben noch auf Augenhöhe gewesen waren. Anschließend dämmerte die SGE lange Jahre in dröger Unbeweglichkeit vor sich hin, die Liga sei eben zementiert, da könne man nichts machen. Innerhalb von 25 Jahren war aus der einst aufregenden launischen Diva eine langweilige graue Maus geworden.

Und dann kam Nico Kovac. 

Kovac hat, gemeinsam mit Sportvorstand Fredi Bobic, nicht weniger als: den Klub wiederbelebt. Die Eintracht spielt die zweite sehr gute Saison in Folge, Europacup und ein weiteres DFB-Pokalfinale nach 2017 sind in Reichweite. Kovac hat sich ein Team, sein Team, zusammengestellt, hat Spieler wie Marius Wolf oder Ante Rebic besser und einen Kevin-Prince Boateng zum Leader gemacht. Die SGE spielt nicht immer die Sterne vom Himmel, aber sie ist giftig und engagiert, sie steht wieder für etwas. Der Klub ist in Bewegung geraten, die Entwicklung geht steil nach oben. Das Gesicht des ganzen ist Niko Kovac, der eine Autorität und Integrität austrahlt wie wenige Eintracht-Trainer vor ihm. 

Auch unter Armin Veh hat die Eintracht mal eine gute Saison gespielt, auch unter Friedhelm Funkel zog der Kub mal ins Pokalfinale ein. Aber unter Niko Kovac ist trotzdem alles anders. Das erste Mal seit 25 Jahren hat man als Eintracht-Fan das Gefühl, dass sich etwas tut im Klub. Dass da ein Trainer ist, der nicht nur durch sein Können und seine Person herausragt, sondern der sich auch mit dem Klub identifiziert. Der Lust hat, einen staubigen Traditionsklub auf Vordermann zu bringen. Der möglicherweise ja doch noch das Versprechen einlöst, dass die SGE den Fans in den frühen Neunzigern gegeben hat und auf dessen Einlösung sie noch immer vergeblich warten: Die Eintracht, ein Spitzenklub. Man wird ja wohl träumen dürfen, zumal wenn es da einen gibt, der diese Träume plötzlich realistisch erscheinen lässt.

Geht der ganze Mist jetzt wieder von vorne los?

Erst im Januar wurde Kovac auf eigene Initiative hin lebenslanges Mitglied der Eintracht. Die Bayern-Gerüchte tat er ab mit: »Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im kommenden Jahr hier Trainer bin«. Nicht ohne sich das Hintertürchen »Stand jetzt« offenzuhalten. Obwohl da vielen Fans schon Böses schwante, war Kovac auf dem Weg, eine Eintracht-Legende zu werden, in der Rekordzeit von zwei Jahren. Er hat sich dagegen entschieden, und das kann man ihm nicht einmal vorwerfen: Job beim Branchenführer, er wird Meister werden und in der Champions League spielen, sehr viel besser verdienen. 

Für die Fans von Eintracht Frankfurt ist der Wechsel hingegen eine Katastrophe. Wie lange wird es dauern, bis mal wieder ein Glücksfall wie Kovac zur Eintracht kommt? Fünf Jahre? Zehn Jahre? Ein weiteres Vierteljahrhundert? Was ist mit der Aufbruchsstimmung? Was mit dem von Kovac zusammengestellten Kader? Geht der ganze Mist jetzt wieder von vorne los? Abstieg, Aufstieg, Mittelmaß und immer so weiter? Noch sind fünf Ligaspiele zu spielen, im besten Falle noch zwei im Pokal. Am heutigen Freitag fühlt sich die hervorragende Saison der Eintracht für die Fans allerdings schon an wie beendet.