Warum der KFC Uerdingen kaum Chancen gegen den DFB hat

Die Alles-oder-nichts-Entscheidung

Ähnlich überrascht dürfte Ponomarev, genau genommen der gesamte Verein, gewesen sein, als die Nachricht des DFB am gestrigen Abend im Beamtensprech eintrudelte: »Die Nichteinhaltung der Frist hätte nach den Statuten zur Folge, dass die Bedingung nicht erfüllt ist und daher keine Zulassung erteilt werden könnte. Ein Ermessensspielraum würde für den Zulassungsbeschwerdeausschuss in diesem Fall aufgrund der gegebenen Drittbetroffenheit der anderen Bewerber, für die dieselben Fristen und Regeln galten, nicht bestehen.«

Kurz gesagt: Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, könne keine Ausnahme gemacht werden. Uerdingen würde der Aufstieg verwehrt bleiben und Mannheim nachrücken.

Wird der Stecker gezogen?

Der Verein reagierte sofort. Erst in dieser Woche hatte man drei gestandene Dritt- und Zweitligaprofis nach Krefeld gelockt. Ponomarev hatte zudem einen neuen Hauptsponsor in Aussicht gestellt. Gut möglich, dass diese Verträge bei einem Nicht-Aufstieg keine Gültigkeit besitzen. Sollte der Verband durchgreifen, würde in Krefeld einiges zerbrechen. Und auch der Investor selbst hat angekündigt: »Wenn der DFB nach allem was passiert ist wirklich beschließt, uns für etwas, an dem wir keine Schuld tragen, die Lizenz nicht zu geben, dann sehe ich nicht, wie ich mein Engagement beim KFC Uerdingen aufrecht erhalten kann.«

Eine Ankündigung, die die Uerdinger zwar zusätzlich in Aufruhr versetzt, beim Verband aber wohl niemanden beeindrucken dürfte. Stärker wiegt da schon das Uerdinger Argument, dass man alle Fristen eingehalten habe, aber »die Qualität unserer Dienstleister, die Arbeitsweise der Banken« nicht kontrollieren könne. Möglich, dass die geforderten Sicherheiten von Vereinsseite überwiesen worden waren, dann aber bei der verantwortlichen Bank strandeten. Ob das den DFB am kommenden Montag beeinflusst, wenn der Ausschuss über Wohl und Weh entscheiden will?

Keine guten Aussichten

Damals, 2001 in Wilhelmshaven, fehlten schließlich keine Millionenbeträge, sondern nur ein Blatt Papier. Eins, dass der Verein entweder nicht abgeschickt oder das Faxgerät verschluckt hatte. So ganz genau lässt sich das nicht rekonstruieren. Die Folgen waren die gleichen. »Wir müssen alle Vereine gleich behandeln, und alle hatten genügend Zeit. So Leid einem das tut: Es ist egal, ob die Unterlagen eine Sekunde oder 14 Tage zu spät ankommen.«, erklärte Theo Zwanziger, der damals Vorsitzender des Lizenzierungsausschusses war. Wilhelmshaven stieg ab. Denn der DFB ist dafür bekannt, sich an die eigenen Gesetze zu halten. Vielleicht gibt es Gegenbeispiele, dass sich der DFB aber diesmal umstimmen wird, lässt die Pressemitteilung nicht vermuten. Denn Fußballromantik, das Zudrücken beider Augen, sportlicher Verdienst - all das hat kaum Chancen gegen die Paragraphen des Verbands.

Düstere Aussichten für Ponomarev. Düstere Aussichten für den KFC Uerdingen.