Warum der italienische Verbandspräsident auf einer Pressekonferenz wütete

Heiß wie ein Vulkan

Weil die italienische Nationalmannschaft nicht zur WM fahren darf, erklärt Verbandspräsident Claudio Tavecchio seinen Rücktritt. Die Pressekonferenz gerät zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Dienstag, 10. März 1998. Für zwei Tage war Giovanni Trapattoni, der Coach der Bayern, in die italienische Heimat geflohen. Jetzt war er zurück. Und hatte acht karierte Zettel vorbereitet. Markus Hörwick, Pressesprecher der Bayern, erinnerte sich später: »Als er die Zettel rausholte, dachte ich nur: ‚Oh, oh!‘ Ich wusste in diesem Moment, was passieren wird.« Trapattoni war aus der Trainerkabine schon in die Pressekonferenz gerauscht.

Hörwick blieb die Zuschauerrolle an der Eingangstür, als die legendärste Wutrede der Säbener Straße begann. »Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancker und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab' gesagt? Danke« Später dann: »Was erlauben Struuuuuunz?« und schließlich: »Ich habe fertig!«

Keiner mehr da!

Als Trapattoni ging, war soeben die denkwürdigste Pressekonferenz des FC Bayern beendet worden. Und sie hätte einen Zuschlag bekommen, hätte Hörwick nicht eingegriffen und den in den Presseraum zurückeilenden Coach mit einer Notlüge aufgehalten. Nein, die Journalisten seien alle schon gegangen.

Nie wieder hat es solch eine Pressekonferenz gegeben. Bis zum Wochenende. Da schnappte sich Carlo Tavecchio, der Präsident des italienischen Fußballverbands, das Mikrofon und erklärte seinen Rücktritt. Eindrucksvoll, irgendwo zwischen lebhaft und rachsüchtig. Und mit einer ordentlichen Portion italienischem Verve.

Nach der verpassten Qualifikation der Nationalmannschaft unter dem mittlerweile entlassenen Coach Gian Ventura war Tavecchio heftig in die Kritik geraten. Auf der PK, neben ihm ein Mann sitzend, der sich spontan in den Ruhestand wünscht, stellte der Präsident klar: »Ventura habe ich nicht allein ausgewählt, aber jetzt soll ich allein für Ventura bezahlen!« Er habe seinen Rücktritt angeboten und den Beirat gebeten, es ihm gleichzutun. »Aber niemand hat mitgezogen. Also war ich allein.«

Nur einen einzigen Fehler gemacht

Und sowieso, am Ausscheiden der »Squadra Azzurra« trage er kaum Mitschuld. »Habe ich irgendwelche Fehler gemacht? Ja, ich habe in San Siro nicht eingegriffen, um den Trainer schon zur Halbzeit zu feuern.«

Der emotionale Tavecchio, der sich seit dieser Woche auch mit Anschuldigungen einer Sportmanagerin auseinandersetzen muss, dass er sie belästigt und missbraucht habe, bekam sich selbst während der Pressekonferenz über drei Minuten kaum unter Kontrolle. Fuchtsteufelswild gestikulierend, mit einem Gesicht so rot wie Lava, erklärte er: »Wenn wir gegen Schweden ein einziges Tor erzielt hätten, wäre ich jetzt der große Mann. So bleibe ich 1,71 groß.« Vier Zentimeter weniger als Trapattoni.