Warum der Hallesche FC Einspruch beim DFB einlegt

Miss Verständnis

Während eines Wechselfehlers erzielte Preußen Münster am Wochenende das 2:2 gegen Halle. Die sind die Tabellenführung los - und legen jetzt Protest ein.

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Bei Miss-Wahlen - und selbstverständlich auch bei Mister-Wahlen - geht es meist darum, wer oder was am Schönsten ist. Das Missverständnis vom Sonntag in Halle könnte dagegen höchstens einen Preis in der Kategorie »Kurios« gewinnen. Was war passiert? In der 84. Minute wollten sowohl der zu dem Zeitpunkt mit 2:1-führende Spitzenreiter aus Halle als auch Preußen Münster wechseln. Das Problem: Die Rückennummern.

Auf der Tafel blinkte die Nummer 9, die damit eigentlich den Münsteraner Stürmer Rufat Dadashov auffordern sollte, für seinen Ersatzmann Joel Grodowski Platz zu machen. Allein Schiedsrichter Bacher und Halles Pascal Sohm, der ebenfalls die Nummer 9 trägt, verwechselten die Anzeige, weshalb Bacher den armen Sohm anwies, so schnell wie möglich den Platz zu verlassen. Aufgrund einer neuen Regel tun die Spieler dies nun nicht mehr an der Coaching-Zone, sondern verlassen den Rasen an den ihnen nächstgelegenen Punkten.

So etwas noch nie erlebt

Dass Sohm das Spielfeld verlassen hatte, bemerkte auf Hallenser Seite niemand. Stattdessen verließ auch Stürmer Terrence Boyd, dessen Nummer als nächstes angezeigt worden war, den Platz. Auf den Fernsehbildern ist zu sehen, wie im Hintergrund bereits der darauffolgende Standard ausgeführt wird, während Boyd noch zur Seitenlinie trabt und sich nun also verwirrt umschaut. Schließlich war der Wechsel noch gar nicht richtig vollzogen.

Lediglich Schiedsrichter Bacher, der wiederum Sohm vom Platz geschickt hatte, war davon ausgegangen, dass alle Wechsel vonstatten gegangen seien - und hatte das Spiel wieder angepfiffen. Höhepunkt dieses komischen Kammerstücks: So richtig auf dem Platz standen nur noch neun Hallenser und ausgerechnet der eingewechselte und freistehende Joel Grodowski wuchtete im nächsten Augenblick den Ball unter die Latte zum Münsteraner Ausgleich. Halles Trainer Torsten Ziegner war nach Abpfiff im Interview mit »Magenta Sport« fassungslos: »Ich habe so etwas noch nie erlebt. Ich kann es kurz nach dem Spiel gar nicht erklären.« Terrence Boyd nahm es schon gelassener: »Schiri-Sein ist so undankbar wie Ordnungsamt. Von daher möchte ich auch nicht in deren Haut stecken.«

Einspruch ist raus!

Mit ganz so viel Humor, das steht seit Montagmittag fest, wird es der Hallesche FC dann aber doch nicht nehmen. Laut einer Pressemitteilung des Vereins wird - wie schon am Vortag angedeutet - Einspruch eingelegt. »Wir sind es unserer Mannschaft und allen Fans des Halleschen FC schuldig, nach der offensichtlichen Benachteiligung vor dem Ausgleichstreffer zum Endstand nichts unversucht zu lassen«, erklärte Sportdirektor Ralf Heskamp.

Ein Statement des DFB steht noch aus. Und auch Celine Peschek und Gleb Cherkanov haben sich noch nicht geäußert. Dabei dürfte klar sein, zu wem sie halten, als Miss und Mister Sachsen-Anhalt.