Warum der Fußball immer vorhersehbarer wird

Auf dem Weg zum Monopolsport

In Europas Topligen ist das Meisterschaftsrennen im Grunde schon entschieden. Kein Ausrutscher, sondern das Produkt einer langjährigen Entwicklung, die uns allen Angst machen sollte.

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Die Bayern spazieren im 1B-Anzug über Borussia Mönchengladbach hinweg. Manchester City feiert – fünf Spieltage vor Schluss - vom Sofa aus die Meisterschaft. Paris zurrt mit einem lässig runtergespielten 7:1 gegen die zweitplatzierten Monegassen den fünften Titel innerhalb der letzten sechs Jahre fest. Juventus Turin bringt sechs Punkte Sicherheitsabstand zwischen sich und den ärgsten Verfolger aus Neapel.

In den europäischen Topligen hat sich binnen weniger Jahre eine erdrückende Vorhersehbarkeit breit gemacht, die zunehmend zur Belastungsprobe für die kollektive Fanseele wird. Der Fußball lebt vor jedem Spiel und vor jeder neuen Saison vom unausgesprochenen Restglauben an die Sensation. Diesen zu bewahren, wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Und das ist nicht nur so ein Gefühl.

Die üblichen Verdächtigen

265 Punkte. So groß war der gesammelte Abstand in Frankreich, Deutschland, Italien, England und Spanien zwischen Platz eins und zwei in den letzten fünf Jahren. Wer sich gerade die berechtigte Frage stellt, ob das viel oder wenig ist: In den fünf Spielzeiten davor, also in den Saisons 2007/08 bis 2011/12, waren es gerade einmal 130.

Dabei ist es nicht nur der angehäufte Punkteabstand, der Anlass zur Sorge gibt. Mindestens genauso bedenklich liest sich die Liste der Mannschaften, die diesen dicken Batzen Punkte innerhalb der letzten fünf Jahre zusammengetragen hat. Denn es sind die üblichen Verdächtigen, die am Saisonende von der Tabellenspitze grüßen.

Was kostet die Champions League?

Keine andere Liga steht so exemplarisch für die Entwertung einer Meisterschaft wie die französische. Seit dem Einstieg der katarischen Investoren in Paris ist die Ligue 1 die fußballerische Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man einen Weißkopfseeadler zum Hahnenkampf anmeldet. Die durch den 7:1-Kantersieg gegen Monaco frühzeitig entschiedene Saison 2017/18 mit eingerechnet, hat Paris Saint-Germain in fünf der letzten sechs Spielzeiten in Frankreichs höchster Spielklasse triumphiert.

Eine Wortwahl, über die sie wahrscheinlich in Paris selbst lachen müssten. Denn dem Hauptstadtklub bedeutet die französische Meisterschaft schon lange nichts mehr. Sie ist zur reinen Formsache verkommen. PSG-Trainer Unai Emery wird sie am Saisonende nicht den Job retten. Sein Nachfolger wird erst gar nicht an ihr gemessen werden. Das Einzige, was für Paris noch einen Wert hat, ist die Champions League.