Warum der »Finaltag der Amateure« so großartig ist

Unterm Brennglas

Es gibt genug Gründe, über den DFB zu meckern. Der »Finaltag der Amateure« ist keiner davon, denn er zeigt uns, warum wir den Fußball so lieben. 

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Kennen Sie Fabian Weiß? Nein? Wissen Sie wenigstens, wo Dorfmerkingen liegt und dass da jährlich ein wunderbares Feuerwehrfest stattfindet? Auch nicht? Dann haben Sie letztes Jahr wohl den »Finaltag der Amateure« verpasst. Und dazu können wir Sie nur bemitleiden. 

Denn man mag ja vom DFB und dessen Verhalten gegenüber dem Amateurlager halten, was man will, aber der »Finaltag der Amateure« ist ein Volltreffer. 2016 aus der Taufe gehoben und etwas umständlich als »tolles Produkt« und »die größte Amateurfußball-Konferenz aller Zeiten« beworben, ließ der DFB letztes Jahr zum zweiten Mal die 20 Landespokalfinals an einem Tag stattfinden, ab 12:45 Uhr in drei aufeinanderfolgenden Konferenzen.

Ein pickepackevoller Fußballtag

Das klingt erstmal nach einem zähen TV-Nachmittag, voller Rumpelfußball und Favoritensiege, war in der Praxis aber ein pickepackevoller Fußballtag mit allem, was diesen Sport so schön macht. Etwa die Geschichte des eingangs erwähnten Fabian Weiß, der den Landesligisten Sportfreunde Dorfmerkingen mit drei Toren zum Sensationssieg gegen die Stuttgarter Kickers schoss - und damit in den DFB-Pokal 2017/18. Oder das spektakuläre Elfmeterschießen im Finale des Bremer Landespokals, bei dem der Keeper der Leher TS das Spiel seines Lebens machte - vor den Augen von Millionen von Menschen. Oder die krasse Fehlentscheidung in Hamburg, die den Underdog SV Halstenbek-Rellingen um die Sensation brachte. Oder Kai Prögers Doppelpack in der Verlängerung des Berliner Pokalfinals zum 3:1 für den BFC Dynamo - sein letztes Spiel für den Verein.

Oder, oder, oder. Der gesamte Tag war bis unters Dach vollgepackt mit all diesen kleinen, wunderbaren Geschichten, von denen es so gerne heißt, dass sie nur der Fußball schreibt. All das, was diesen Sport so großartig macht, gab es über Stunden unterm Brennglas. Das große Drama, die sensationelle Aufholjagd, der Überraschungssieg. Und all das ohne die unangenehmen Kommerz-Störgeräusche, die den Profifußball oft so künstlich erscheinen lassen. So freuten sich die Spieler der Sportfreunde Dorfmerkingen etwa wunderschön unbedarft auf den abendlichen Besuch des örtlichen Feuerwehrfests.

Mehr als ein Klotz am Bein der Profimaschine

Bereits 2016 war der Finaltag auch kommerziell ein großer Erfolg, ebenso 2017, als in der Spitze 2,27 Millionen Zuschauer einschalteten, um Klubs wie FC Rielasingen-Arlen, VfB Germania Halberstadt oder SV Eichede beim größten Spiel ihrer Vereinshistorie zuzugucken. Damit haben die Amateure bewiesen, dass sie mehr sind als ein Klotz am Bein der Profimaschine und dass der DFB durchaus von ihnen profitieren kann. Bliebe zu wünschen, dass man beim DFB vielleicht auf die Idee kommt, auch abseits dieses einen Tages die Beziehungen zu seiner Basis zu verbessern.