Warum der Fall Kingsley Sarfo in Schweden hohe Wellen schlägt

Unschuldig?

Malmö FFs Kingsley Sarfo wird des Missbrauchs einer 14-Jährigen beschuldigt. Die Fans wollen ihn loswerden, der Klub verteidigt ihn – solange er nicht verurteilt ist.

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»Es gab viele und lange Diskussionen«, bekennt Klubchef Niclas Carlnén. Letztlich aber habe man so entscheiden, weil man gar nicht anders konnte: Seit Donnerstag vergangener Woche darf Kingsley Sarfo wieder mittrainieren. Der ghanaische Torjäger von Malmö FF tauchte erstmals seit vier Monaten wieder am Vereinsgelände auf, begleitet von stürmischen Protesten der Fans. Die entrollten einen Tag später ein 20 Meter breites Transparent am Trainingsplatz. Darauf stand klipp und klar zu lesen: »Sarfo verdient unser himmelblaues Trikot nicht«. Das ist durchaus keine Einzelmeinung. Alle großen MFF-Fangruppierungen haben sich klar gegen eine Aufhebung der Suspendierung des Stürmers ausgesprochen. Ganz Schweden zeigt sich entsetzt darüber, dass Sarfo plötzlich wieder im Training mitmischen darf. Und womöglich bald spielt?

Suspendierung aufgehoben

Es ist kein einfacher Fall, der sich da gerade in Malmö abspielt. Kingsley Sarfo wird des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen beschuldigt – in zwei Fällen. Die Faktenlage spricht, nach allem, was zu hören ist, klar gegen den 22-Jährigen. Zumal er selbst die sexuellen Handlungen gar nicht bestreitet. Doch weil sich die Voruntersuchung zu dem bevorstehenden Gerichtsverfahren scheinbar endlos hinzieht, sah sich der Verein nun gezwungen, die Suspendierung gegen seinen Angestellten aufzuheben. Schließlich, so Niclas Carlnén, können man ja keinen Unschuldigen bestrafen. Und solange Sarfo nicht verurteilt ist, gilt: Er ist unschuldig. So einfach ist das. Und so kompliziert.

Im Sommer hatte Kingsley Sarfo noch ganz andere Schlagzeilen geschrieben. Der Sonnyboy-Stürmer, der bereits als Teenager nach Schweden gekommen war, galt plötzlich als ernsthafter Kandidat für die A-Nationalmannschaft der Skandinavier. Medienberichten zufolge hatte sich der schwedische Verband bereits nach Möglichkeiten für ein beschleunigtes Einbürgerungsverfahren bemüht. Sarfo wurde zur nationalen Angelegenheit, obwohl er bis heute gerade mal fünf Erstliga-Tore erzielt hatte. Dann aber folgte die Kehrtwende: Der Hochbegabte entschied sich, lieber für sein Geburtsland Ghana zu spielen. So weit, so gut.

In beiderseitigem Einvernehmen

Im Herbst aber schockte diese Nachricht die schwedische Öffentlichkeit: Kingsley Sarfo war von der Polizei verhaftet worden, am 26. September. Der schwerwiegende Vorwurf, der im Raum stand: Vergewaltigung einer Minderjährigen, in gleich drei Fällen. Die skandinavischen Zeitungen waren voll davon, das Fernsehen berichtete tagein, tagaus. Auch wenn die meisten Medien – aus rechtlichen Gründen – Sarfos Namen nicht nannten: Jeder wusste, um wen es hier ging. Malmö FF suspendierte Sarfo sofort nach dessen Festnahme, denn der Fall schien sonnenklar. Niemand erwartete, dass der Afrikaner je wieder in Malmö spielen oder trainieren würde. Zumal der Beschuldigte tagelang hinter Gittern verblieb. Erst am 1. Oktober wurde Sarfo vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Eine solch lange Untersuchungshaft gilt in Schweden als klares Indiz für einen besonders dringenden Tatverdacht.

Inzwischen hatte das ›Opfer‹ allerdings erklärt, die sexuellen Handlungen seien in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Von Vergewaltigung war plötzlich keine Rede mehr. Dennoch blieb der Vorwurf des Missbrauchs einer Minderjährigen in mindestens zwei Fällen, da die Betroffene zum relevanten Zeitpunkt deutlich unter 16 war. Laut der Zeitung »Sydsvenskan« war das Mädchen zum fraglichen Zeitpunkt sogar erst 14.